Ewald und Agnes Maaß 1885 - 1945 1886 - 1945 |
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Ewald Maaß (*29.5.1885), der jüngste
Bruder meines Großvaters Bernhard
Maaß, ein sehr dicker und gemütlicher Mensch, erbte den väterlichen
Hof in Alt Lülfitz und
bewirtschaftete ihn, nachdem der Gebäudekomplex am 12. Januar 1920
aufgrund eines Kurzschlusses abgebrannt und anschließend ausgesprochen
großzügig wieder aufgebaut worden war, bis in die dreißiger
Jahre hinein. Ewald heiratete am 5.11.1905 Agnes Manke (*18.3.1886), Tochter
des Bauern Hermann Manke, Bürgermeister und Amtsvorsteher in Pustchow-Abbau,
ihre ältere Schwester Agathe ehelichte 1903 Ewalds Bruder Erich.
Tante Agnes war, wenn sie nach Belgard an der Persante in die Stadt
und nach
dem Einkaufen zu uns in die Marienstraße 15/16 zu Besuch kam,
immer sehr elegant gekleidet.*
Edwin (19.10.1906 - 14.8.1989), seine Frau Edith (12.9.1912 - 26.9.1975) und Tochter Helga (*7.3.1938) fanden nach dem Krieg in Holstein ein neues Zuhause. Sie wohnten 1974, als sie einen Beileidsbrief anläßlich des Todes meiner Mutter Bertha Maaß schrieben, in Stolpe, einem kleinen Ort etwa 20 Kilometer südlich von Kiel; Helga Maaß verehelichte Wolfgramm lebt noch heute dort. Über die übrigen vier zwischen dem ältesten Sohn Bernhard (*1867), meinem Großvater, und dem jüngsten Sohn Ewald (*1885) geborenen Geschwister ist uns nur wenig bekannt.* Im Nachlaß meiner Mutter fand sich ein Artikel von Fritz Schulze, Redakteur der ehemaligen Belgarder Zeitung ("Presse-Schulze"), in dem auch mein Onkel Ewald Maaß erwähnt wird: "Not macht erfinderisch. Dieses Sprichwort bewahrheitete sich in den Kriegsjahren 1916/17. Die damaligen Zeiten wurden immer schlechter. Lebensmittel gab es nur auf Marken, Bekleidung und Ersatzgegenstände nach Bedarfsprüfung nur auf Bezugsscheine. Wer ein Fahrrad besaß, mußte dessen Benutzung als kriegswichtig nachweisen und bekam dann eine Dringlichkeitsbescheinigung für weitere Benutzung der Gummischläuche und -mäntel seines Fahrrades, anderenfalls mußten diese an einer behördlichen Sammelstelle abgeliefert werden. Wollte dennoch jemand dem Radsport huldigen, konnte er sich bei Julius Küken oder Franz Westphal eine Ersatzbereifung kaufen. Das war ein in den Radfelgen einzuspannender Spiralfederschlauch. Auf glatter Chaussee oder festen Radwegen ging es so leidlich, jedoch eine Fahrt auf dem üblichen Betonpflaster der Belgarder Straßen führte allemal zum Schüttelfrost für den Radler. Immerhin gewöhnte man sich allmählich an die Benutzung solcher Vehikel, die meist als Lastenträger für Sammelholz aus dem Walde oder Beutegut von einer Hamstertour benutzt wurden. Als Besitzer eines 'Brennabor' mit solchen Spiralschläuchen begab ich mich damals nach der hinter dem Stadtholz gelegenen Landgemeinde Lülfitz, um den uns bekannten Bauernhofsbesitzer und Amtsvorsteher Ewald Maaß heimzusuchen. Zu der dreifachen Kraftaufwendung für ein solches Fahrzeug kam die sommerliche Hitze des Tages, so daß ich für die etwa zehn Kilometerstrecke über eine Stunde benötigte. Der Rückweg dauerte länger, weil das beladene Fahrrad geleitet wurde. Doch die Fahrt belohnte sich den damaligen Zeitumständen entsprechend immer. Mit einem halben Bauernbrot, einigen Kilo Kartoffeln, Steckrüben, Roggen zum Kaffeebrennen, einer Flasche Milch, Backobst, etwas Butter, nur in Verbindung mit einem Vergrößerungsglas zu verwenden, und 'Anteilen' von einer im Dorf 'zufällig' gehabten 'Notschlachtung' kehrte ich befriedigt heim."
Zum Geburtsort meines Großvaters Bernhard Maaß und seiner Geschwister schreibt Fritz Schulze nach dem Kriege im Heimat-Rundbrief Aus dem Lande Belgard, Nr. 84, September 1976 auf Seite 8: "Fünf Kilometer von Belgard entfernt, an der Straße vom Stadtholz nach Buchhorst, da liegt das alte Wenden-Runddorf Altlülfitz. In der Mitte des Dorfes stand die einklassige Schule. Die Straßenseite war mit einer Dornenhecke und kleinen Bäumen bepflanzt; rund um die Gehöfte breitete sich ein Wiesenteppich aus. Zum Ort gehörten 30 landwirtschaftliche Betriebe, vier Abbauten, zwei Gasthöfe und eine Schmiede. Da Altlülfitz viele ertragsfähige Wiesen hatte, lieferten die Bauern seit dem Jahre 1898 die Milch an die Molkereigenossenschaft nach Belgard. Im Jahre 1912 wurde der Ort an das Stromnetz der Überlandzentrale Belgard angeschlossen. Am 12. Januar 1920 wurde die gesamte Hoflage des Amtsvorstehers Ewald Maaß durch Kurzschluß eingeäschert. Noch im gleichen Jahre entstand der Bauernhof neu. Durch die Nähe an Belgard wurde Altlülfitz häufig von Spaziergängern (auch Hamstern) aufgesucht und wie gut schmeckte dann bei Rast in ländlicher Luft eine belegte Landbrotstulle mit einem Glas Milch oder auch ein aus drei Eiern mit Schinkenspeck bereitetes Gabelfrühstück zu solidem Preis, der heute garnicht denkbar ist. In kirchlicher Betreuung gehörte Altlülfitz zur St. Mariengemeinde in Belgard. Am 7.3.1945 besetzten die Russen das bis dahin wohlhabende Bauerndorf Altlülfitz und das große Leid begann." |
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| Eleonore Gürge geb. Maaß | ||||||||