Johann Karl Ferdinand Mohr  1836 - 1885/86
Eleonore Albertine Mohr geb. Bahr  1845 - 1924
Mein Urgroßvater Johann Karl Ferdinand Mohr wurde am 30.12.1836 in Artern/Thüringen als Sohn des Bäckermeisters Ernst Ferdinand Mohr und seiner Ehefrau Friederike Karoline geb. Bertram verwitwete Koch geboren und betrieb später ebenfalls als Bäckermeister in Berlin-Wedding in der Badstraße 59 eine Bäckerei (im Berliner Adreßbuch wird mein Urgroßvater erstmals im Jahre 1868 als Bäcker, wohnhaft Blumenstraße 14a, erwähnt, 1869 oder 1870 zog die Familie Mohr in die Große Hamburger Straße 34, 1870/1871 in eine Parterrewohnung in der Stettiner Straße 62 und 1872/1873 in das zweite Geschoß der Stettiner Straße 61, 1875 ist sie in der Bellermannstraße 83a zu finden und seit 1876 in der Badstraße 59, wo sich auch die Bäckerei befand - außer der Blumenstraße gehörten alle übrigen Straßen zum Berliner Ortsteil Wedding, der 1861 nach Berlin eingemeindet wurde). Johann Karl Ferdinand Mohr war mit Eleonore Albertine Mohr geb. Bahr (in Berliner Dokumenten auch "Bähr" geschrieben), geboren am 17.11.1845 in Ratzebuhr/Krs. Neustettin in Pommern (etwa 20 Kilometer südöstlich von Neustettin), verheiratet. Außer ihrer Tochter Elsbeth (*27.3.1877) müssen sie noch mehrere Kinder, mindestens jedoch eine weitere Tochter gehabt haben, über welche mir jedoch nichts näheres bekannt ist. Von solcher Verwandtschaft war in meiner Familie jedenfalls öfter die Rede. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes Johann Mohr 1885/1886 heiratete meine Urgroßmutter 1887/1888 den Bäckermeister Ludwig Marotz, sodaß die Bäckerei in der Badstraße weitergeführt werden konnte. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann war sie häufig zu Besuch in Belgard an der Persante bei Tochter und Schwiegersohn. Von Ludwig Marotz wurde erzählt, daß er jedes Mal, wenn ein weiterer Besucher bei Maaßens erwartet wurde - das könnte vielleicht jemand aus der Verwandtschaft in Artern/Thüringen gewesen sein - für die Beflaggung des Hauses Marienstraße 15/16 in Belgard in den Farben blau-weiß für Pommern, schwarz-weiß für Preußen und schwarz-weiß-rot für das Deutsche Reich gesorgt haben soll; und auch ich erinnere mich an Festtage mit entsprechendem Fahnenschmuck an unserem Haus einige Jahrzehnte später, wobei die Farben des Kaiserreiches mittlerweile durch schwarz-rot-gold ersetzt worden waren. Die Bäckerei Mohr bzw. Marotz in der Badstraße 59 in Berlin wurde von 1901 bis nach 1930 von Bäcker Franz Klickermann weitergeführt, vielleicht weil der zweite Mann meiner Urgroßmutter das Rentenalter erreicht und den Betrieb verkauft oder verpachtet hatte.*

Eleonore war wohl eine sehr dominierende Frau, die sich in Belgard sowohl in Haushalts- als auch in Geschäftsangelegenheiten einmischte. Ihrem Schwiegersohn Bernhard Maaß, meinem Großvater, war das natürlich ein Dorn im Auge und Elsbeth, seine Frau, hatte sicher oft unter seinem Ärger zu leiden. Einmal kam es so weit, daß er seine Schwiegermutter rauswarf und ihr verbot, je wieder sein Haus zu betreten. Später aber glich sich alles wieder aus. Der Anlaß zu meines Großvaters Wutanfall war folgender Vorfall, über den von meiner Mutter erzählt wurde: Der neue Leiter einer Belgarder Bank machte seinen Antrittsbesuch bei den Belgarder Honoratioren, zu denen auch Bernhard Maaß gehörte. Mein Großvater bewirtete ihn mit Rotwein und Zigarren, als seine Schwiegermutter Eleonore in die Tür des Herrenzimmers trat. Sie rief empört: "Na, wenn hier schon am Vormittag getrunken und geraucht wird, dann wirst Du nie auf einen grünen Zweig kommen!" Bernhard Maaß fühlte sich vor dem Gast schwer blamiert und reagierte wie oben berichtet. Von dem regelmäßigen Briefwechsel Eleonores mit ihrer Tochter Elsbeth (genannt Else) waren nur die Briefe der Tochter, leider aber nicht die Antwortbriefe der Mutter erhalten. Mein Vater Erwin Maaß bewahrte diese Briefe in einem Fach eines alten Schreibpultes auf, das im Anbau seines Kontors hinter dem Laden stand (die Briefe befanden sich - ich sehe es noch vor mir - in einem hellen Holzkasten von Mauxion-Schokolade). In demselben Pult lagen auch königlich-preußische Direktiven von Friedrich Wilhelm II. aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an die Ortsvorsteher der Gemeinden (z.B. Kleiderordnungen), die mein Vater von seinem Onkel Ewald Maaß aus Lülfitz bekommen hatte. Ich habe diese Schriften einmal mit in die Schule genommen, als wir in Geschichte von dieser Zeit hörten. Meine Urgroßmutter Eleonore Mohr starb am 15.2.1924 nach dem Tode ihres zweiten Mannes Ludwig Marotz im Hause ihrer Tochter Elsbeth Maaß in der Marienstraße 15/16 in Belgard an Altersschwäche.*
Eleonore Gürge geb. Maaß
[Daten zur Familie Mohr in Berlin von Herrn Dietmar Behling
aus Berlin freundlicherweise zur Verfügung gestellt]