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| Belgard an der Persante in alten Ansichten 1885-1945 | |||||
| und in Erinnerungen von Fritz Schulze und Eleonore Gürge geb. Maaß | |||||
| Teil 2 - Vom Marktplatz zum Alten Amt | |||||
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| Blick von Süden auf den Marktplatz von Belgard
mit Marienkirche, Neuem Rathaus und Gefallenendenkmal, im Hintergrund der Mükepark (Aufnahme Ende der 20er Jahre) |
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| Junkers
Luftbild Luftaufnahme Fliegeraufnahme Fliegerphoto Fliegerfoto |
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| Blick vom Turm der Marienkirche in Richtung Heerstraße / Poststraße, der Marktplatz noch mit dem Gefallenendenkmal von Wilhelm Otto und zahlreichen Marktständen des Belgarder Wochenmarktes (Aufn. vor 1933) |
Blick vom Markt in die Heerstraße: drittes Haus links
Haushalts- und Spielwaren Walter Maaß, daneben ein Lederwarengeschäft
(mit einem großen Pferd im Schaufenster), gegenüber das Buch-
und Papierwarengeschäft von Werner Johannsen, dem Verleger der Belgarder
Zeitung, im Hintergrund im Gebäude Heerstraße 8 Drogerie Rasinski,
rechts vorne der Eingang zum Ratskeller im Alten Rathaus |
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| Blick durch die Heerstraße in Richtung Marktplatz, am Ende der Straße unser Haus Marienstraße 15/16 mit dem Geschäft Kolonialwaren Bernhard Maaß (Aufnahme vor 1914) | Derselbe Blick kurz nach der Jahrhundertwende | ||||
| "Was in Belgard immer wieder gesungen wurde: Dieses schöne Lied hat schon mehrere Generationen überlebt. Ich hörte es schon meine liebe Mutter vor 65 Jahren bei Ausübung ihrer mühsamen Stickereien singen. Die montags und mittwochs durch die Straßen Belgards ziehenden Leierkastenmänner spielten es auch und bei Konzerten der Kapelle von M. Schäbitz in Falks Gesellschaftshaus fehlte dieses Lied auf keinem Programm. Vielleicht wird sich noch mancher Rundbrief-Leser dieser Melodie oder des Textes erinnern: 'Ich bin so gern, so gern daheim / Daheim in meiner stillen Klause / Wie tut es doch dem Herz so wohl / Das eine traute Wort 'Zuhause' / Wohl nirgends auf der weiten Welt / Fühl ich so frei mich von Beschwerden / Ein braves Weib ein herzig Kind / Das ist mein Himmel hier auf Erden // Allabend, wenn der Tag zur Ruh / Und ich mich leg zum Schlummer nieder / Dann bete ich zum Herrn der Welt / Eh schließen sich die Augenlider / Dann falt ich meine Hände fromm / Und bete still zum Vater droben / Du guter Gott, erhalte lang / Mir meinen Himmel auf der Erden'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 79, April 1976, Seite 4] | |||||
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| Kaufhaus Diekmann an der Ecke Heeerstraße / Mühlengang: Auch hierher habe ich als Kind meine Mutter ab und zu beim Einkaufen begleitet und über den Fahrstuhl und das vielfältige Warenangebot gestaunt. |
Links die drei letzten drei Häuser der Heerstraße, zweites Haus Kaufmann Paske (früher Reichow), drittes Haus Drogerie Breidenbach, dahinter die Einmündung der Kleiststraße, dann die Häuser der Friedrichstraße mit der Post; rechts vorne die Einmündung des Mühlengangs, danach die Bebauung der Friedrichstraße. | ||||
| "75. Geburtstag beging am Sonntag, 12. April
1970, der seit Dezember 1946 in 325 Hameln, Wittekindstraße 40 lebende
ehemalige Sparkassenleiter Erich Clawien. Clawien war Kriegsteilnehmer 1914/18
beim Stabe Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Im
Jahre 1921 begann er seine Berufslaufbahn in Belgard bei der Kreissparkasse,
die ihm 1929 die Leitung ihrer Nebenstelle in Groß Tychow übertrug.
Dieses Amt hatte Clawien bis Kriegsende 1945 inne. Ein Jahr später
erfolgte die Vertreibung über Flüchtlingslager Schivelbein-Stettin
nach Wilster in Holstein. Nach 48jähriger, glücklicher Ehe verstarb
seine Gattin am |
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| Drogerie Gebrüder Breidenbach am Anfang der Heerstraße, links die Brücke über die Leitznitz, davor Färberei Maronde (nicht mehr im Bild), hinter der Brücke links das Gebäude der Bank, für dessen Besitzer mein Großvater Bernhard Maaß mit 60.000 Goldmark bürgte; das Haus im Hintergrund wurde Anfang des Krieges durch den Neubau der Kreissparkasse ersetzt. | Medicinal-Drogerie Max Breidenbach Drogerie Breidenbach vor dem Bau des neuen Geschäftshauses mit dem markanten Erker (Aufnahme von Anfang des Jahrhunderts) |
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| Rechts neben der Drogerie Breidenbach lag am Anfang der Kleiststraße das Café Bonow: "80. Geburtstag beging am 4. Januar Bäckermeister und früherer Cafébesitzer Franz Bonow, Kleiststraße 22, jetzt 5 Köln 80, Grafenmühlenweg 176, wohnhaft. Bonow wurde in Griebow Kreis Kolberg geboren und verlebte dort seine Kindheit. 1906 erlernte er in Kolberg das Bäcker- und Konditorhandwerk. Den ersten Weltkrieg machte Bonow nach kurzer Ausbildung bei der Feldgendarmerie bis November 1918 in Ost und West mit. Am 15.4.1920 legte er die Meisterprüfung ab und erwarb in Belgard das obenerwähnte Grundstück. In Fräulein Finger aus Degow Kreis Kolberg fand er alsbald die ersehnte Ehegattin und tüchtige Geschäftsfrau. Zur damaligen Zeit, es war in den 'goldenen' zwanziger Jahren, brachte dem Ehepaar, wie mir der Landsmann Bonow mitteilte, noch der Klapperstorch die Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen. In seinem gemütlichen Café mit besonderer Note fühlten sich damals auch die ehemaligen Leibhusaren mit ihren Bräuten sehr wohl. Als die Russen am 3. März 1945 vor Belgard standen, gelang es den Eheleuten Bonow, mit ihren Töchtern über Kolberg-Swinemünde zunächst nach Thüringen zu flüchten. Seit dem 1. Oktober 1952 verbringen die Bonows ihren Lebensabend in Köln." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 16, Januar 1971, Seite 4] | |||||
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Gebr. Breidenbach Belgard a/Pers. abgegriffene Beschriftung auf einem alten Porzellanverschluß einer Flasche aus der Drogerie Breidenbach (wir kauften in der Regel bei Drogerie Rasinski in der Heerstraße 8) |
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| Färberei - Chemische Reinigungsanstalt Gebrüder Maronde in der Friedrichstraße |
Blick von der Leitznitz-Brücke auf die Seitenfront von Haus Maronde |
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| "Gedenken an Färbereibesitzer Paul Maronde. Sein Todestag jährte am 13.3.1971. Im Bilde links das damalige, 1910 übernommene Geschäftshaus in der Friedrichstraße 1. Im gleichen Jahr heiratete Paul Maronde die Bauerntochter Marta Priebe aus Rostin Kreis Belgard. 1946 wurde Familie Maronde ausgewiesen, lebte zunächst auf der Insel Fehmarn und bis 1964 in Kappeln / Schlei. Dort verstarb am 2. Januar 1960 die Ehefrau des Maronde. Die Söhne Franz und Kurt holten ihren betagten Vater zu sich nach Eckernförde, wo er am 13. März 1970 im biblischen Alter von 89 Jahren verstarb. Seinem letzten Wunsche gemäß wurde er nach Kappeln überführt und an der Seite seiner dort ruhenden Gattin beigesetzt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 18, März 1971, Seite 4] Zur Aufnahme rechts: "Ein Stückchen 'Alt-Venedig' in Belgard. Auf dem Foto erkennt man die Hinterfront der damaligen Färberei von Gebr. Maronde in Belgard, Friedrichstraße 3. Hier sah man fast täglich sich abwechselnd Max oder Paul Maronde beim Spülen der Stoffballen und Bekleidungsstücke. Die Firma Maronde war damals die alleinige chemische Reinigungsanstalt in Belgard. Beide Inhaber sind seit Jahren verstorben." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 81, Juni 1976, Seite 4] | |||||
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| Blick von der Heerstraße in die Friedrichstraße, links gerade noch im Bild Kolonialwaren Bernhard Reichow, zweites Geschäft auf der linken Straßenseite Drogerie Gebrüder Breidenbach, im Hintergrund links das Postamt (dreißiger Jahre) | Blick von der Ecke Heerstraße / Kleiststraße in
die Friedrichstraße, links der Pavillon (Blumengeschäft) der
Gärtnerei Arthur Gutzke, vier Gebäude weiter auf der linken Straßenseite
das Postamt (Ende der zwanziger Jahre) |
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| Zu Kolonialwaren Reichow: "Der in Hamburg-Rissen
als Architekt und Städteplaner lebende Prof. Dr. Ing. Hans Bernhard Reichow beging am
25.11.1969 den 70. Geburtstag. Reichow ist der älteste Sohn des damals
in Belgard sehr bekannten Kolonialwaren-Kaufmann Bernhard Reichow und seiner
Ehefrau Margarete geb. Paske. In der benachbarten Landgemeinde Roggow erblickte
er das Licht der Welt, besuchte mit dem sechsten Lebensjahr die Volksschule
und im Anschluß das Humanistische Gymnasium in Belgard, welches er
mit dem Reifezeugnis verließ. Vom 15.6.1917 bis 16.12.1918 war Reichow
Kriegsteilnehmer in Frankreich. In den Folgejahren konnte er sich dann ergiebig
seiner so viel versprechenden Berufslaufbahn widmen. Kurz seine wesentlichen
Erfolge: Studium in München und Danzig, wo er die Diplom-Hauptprüfung
im März 1923 'mit Auszeichnung', den Doktor-Ingenieur am 13.3.1926
ebenfalls 'mit Auszeichnung' und das Regierungsbaumeister-Examen am 4.2.1928
in Berlin bestand. Bis 1945 war Prof.
Reichow als Stadtbaudirektor in Stettin und nachdem in Hamburg selbständig
tätig. Er ist seit 7. Februar 1929 verheiratet und Vater von Dirk,
Daniela, Dorette und Hans-Detlef Reichow. Für heute möchte ich
mich auf die vorstehenden Ausführungen beschränken, da ich über
den 'Großen Sohn der Persantestadt' in der laufenden Artikelserie
'Namen mit Belgarder Klang' noch besonders berichten werde. Unser Kreis
Belgard kann stolz auf einen so begabten und in seinem Beruf vielfach mit
Erfolgen gekrönten Landsmann sein, dem weitere Schaffensfreude und
Gesundheit, nicht zuletzt bestes Wohlergehen für seine Familie hiermit
gewünscht wird." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 3, Dezember 1969,
Seite 4] "Namen mit Belgarder Klang. Im weiteren Verlauf dieser Artikelserie seien heute Kaufmann Arthur Paske und Gattin Frieda geborene Gutzke erwähnt. Paske wurde am 30. Juni 1883 in Roggow / Krs. Belgard geboren und verstarb am 1.11.1962 in Schwaan / Mecklenburg. Seine Ehefrau war eine am 11. Aug. 1881 gebürtige Belgarderin und ist am 23. März 1952 ebenfalls in Schwaan verstorben. Nach kaufmännischer Lehre im damaligen Bankgeschäft Franz Hartwig in Belgard war Paske ab 1902 'Junger Mann' in verschiedenen Städten. 1910 machte er sich sodann selbständig, erwarb das Grundstück Friedrichstraße 4 und richtete dort ein Lebensmittelgeschäft mit Destillation ein. 1912 wurde durch ein im Nachbarhaus des Fleischermeisters Wendt ausgebrochenes Feuer auch sein Haus eingeäschert. Es erfolgte in Kürze ein Neubau mit einer im Hintergebäude versehenen Ausspannung für ca. 45 Fuhrwerke. Von 1914 bis 1918 diente Arthur Paske seinem Vaterlande als Kriegsteilnehmer. Er war Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, im Ausschuß der Kreis- und Stadtverwaltung sowie Vereinsführer der ehemaligen 9er (Pommersches Grenadier-Regiment) Am 4. März 1945 wurde die Flucht der Eheleute Paske, wie bei vielen anderen Belgardern, durch vordringende Besatzungsmacht vereitelt. Erst im November 1945 erfolgte nach vielen Strapazen die Ausweisung der Paske'schen Eheleute, die sich in und über Belgards Grenzen hinaus allgemeiner Wertschätzung erfreuten." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 39, Dezember 1972, Seite 5] |
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| Kurz hinter der Brücke über die Leitznitz: Blick auf die rechte Seite der Friedrichstraße bis zur Einmündung der Hindenburgstraße, an deren Ecke man die Drogerie der Tochter von Frau Minna Pätzold erkennen kann, der Inhaberin der beiden Belgarder Lichtspielhäuser - des großen Capitols in der Hindenburgstraße und der erheblich kleineren Schauburg in der Friedrichstraße - und deren Fleiß und Geschäftstüchtigkeit auch mein Vater oft erwähnte. Im Laufe der Jahre erwarb sie neben dem zuerst gebauten Capitol weitere Grundstücke, so daß ihr schließlich der gesamte Block an der Ecke Friedrichstraße / Hindenburgstraße bis zur Burgstraße gehörte und sie nun das zweite Kino, die Schauburg, einrichten konnte. An die Geschäfte in diesem Teil der Friedrichstraße kann ich mich kaum noch erinnern, doch bei Juwelier Weidauer (kurz hinter der Gruppe von Passanten) bin ich mit meiner Mutter mehrmals gewesen. Hier wurden Silberbestecke für die Aussteuer von mir und meiner Schwester gekauft, und auch unsere Patinnen suchten hier entsprechende Besteckteile als Geschenke für uns aus. | |||||
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| Blick von Ecke Heerstraße in die Friedrichstraße: links der Pavillon (Blumengeschäft) von Gärtnerei Gutzke, ein Friseur, das Postamt, rechts Färberei Maronde (an der Leitznitz), Papierwaren Schwenke, übernächstes Haus Juwelier Weidauer, wo meine Mutter Bertha Maaß die Silberbestecke für unsere Aussteuer kaufte (Aufnahme dreißiger Jahre) | Die Friedrichstraße im Winter, drittes Gebäude auf der linken Straßenseite das Kaiserliche Postamt (Aufnahme vor 1914) |
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| Zur Gärtnerei Gutzke: "Wenn man in Belgard
den Poetensteig entlangging, sei es nach dem nahen Siedkow oder zu den Klempiner
Bergen, sah man zur rechten Hand am Koppelweg die mustergültige Gärtnereianlage
mit Wohnhaus von Arthur Gutzke. Es war ein Familienbetrieb und blieb es
bis in dritter Generation. Arthur Gutzke wurde am 16. Dezember 1879 in Belgard
geboren. Er war mit Martha geb. Jahn aus Groß Tychow Kreis Belgard
verheiratet, die dort am |
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| Anfang des Jahrhunderts: Blick von der Heerstraße in die Friedrichstraße, das Grundstück neben dem Kaiserlichen Postamt ist noch nicht bebaut | Blick in die obere Friedrichstraße Richtung stadtauswärts, links das Postamt (Aufnahme vor 1914) |
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| "Ein treues Gedenken zum 36. Todestag am 13. Mai für Bäckermeister Paul Wittstock früher Belgard, Friedrichstraße 70 wohnhaft gewesen. Wittstock war immer stolz, einst bei der Kaiserlichen Marine gedient zu haben und zwar von 1896 bis 1899 in Kiel. Während dieser Zeit wurde er auch für Tsingtau und Kiautschou abkommandiert. Am 16. Juni 1905 heiratete Paul seine Anna geborene Naß und mit Lust und Liebe übernahm das jungvermählte Ehepaar dann die Bäckerei Friedrichstraße 70. Nach dem Ersten Weltkrieg, den Wittstock von 1914 bis 1918 mitmachte, wurde seiner Initiative zufolge ein Belgarder Marineverein gegründet. Fünf Jahre nach der im Juni 1930 gehabten Silberhochzeit schloß Paul Wittstock am 13. Mai seine Augen für immer. Ein guter, nationaler Bürger der Persantestadt wurde unter großem Trauergefolge zur letzten Ruhe geleitet." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 20, Mai 1971, Seite 5] | |||||
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| Das Kaiserliche Postamt in der Friedrichstraße (Aufnahme Anfang des Jahrhunderts, das Nachbargrundstück noch unbebaut) |
Blick in die obere Friedrichstraße Richtung Heerstraße, rechts das Postamt (Ende des 19. Jahrhunderts) |
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| "Bernhard Rutzen, einst kaiserlicher Postschaffner. Rutzen wurde am 4. Januar 1860 in Schwessin Krs. Köslin geboren, genügte von 1881 bis 1883 in Stargard seiner Militärpflicht und trat dann in den Dienst der Oberpostdirektion Köslin. 1891 erfolgte seine Versetzung nach Belgard, wo er im Jahre 1912 zum Oberpostschaffner ernannt wurde. Im Stadtbild war Bernhard Rutzen eine allgemein beliebte Persönlichkeit. Ich fand schon als Junge Zuneigung zu diesem Postmann, der die Zustellungen in unserer Friedrichstraße wie auch die Leerung des am Emil Ury'schen Hause befindlichen Briefkastens besorgte. Wir Kinder durften ihn immer 'Onkel Rutzen' nennen. In diesem Zusammenhang bringe ich später eine kleine Episode 'Briefkasten spendet Eisbonbon'. Seinen beiden Söhnen Fritz und Otto ermöglichte Bernhard Rutzen durch Fleiß und preußische Sparsamkeit das Studium der Theologie, welches damals noch ziemlich teuer war. Als Postbetriebsassistent wurde Rutzen 1921 pensioniert, das war in dem Jahre, in welchem seine Gattin starb. Rutzen war seit 1884 bis 1945 das älteste Mitglied der Kriegerkameradschaft und Inhaber des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe im Ersten Weltkrieg. Bei Kriegsende 1945 wurde Rutzen mit Sohn Fritz aus der ihm liebgewordenen Persantestadt ausgewiesen. Beide landeten in Glücksburg, wo Vater Rutzen im gesegneten Alter von 85 Jahren am 20. Dezember 1945 verstarb und dort beerdigt wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 17, Februar 1971, Seite 5] | |||||
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| In der Friedrichstraße mit Blick in Richtung Heerstraße: rechts das Postamt, auf der linken Straßenseite vor dem Geschäft Emil Rautenberg eine öffentliche Wasserpumpe (vor 1914) | Dieselbe Ansicht einige Jahre zuvor, ganz rechts Ernst Plinzberg |
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| "Noch ein bekannter Altersveteran 'aus dem Lande Belgard' ist der einstige Brauereibesitzer Carl Fuhrmann, früher Bad Polzin, der am 22. Juni 1972 seinen 82. Geburtstag beging. Fuhrmann hatte die 1823 von seinem Urgroßvater gegründete Brauerei 1925 übernommen und zur größten Privatbrauerei Ostdeutschlands entwickelt. Ehepaar Fuhrmann setzte sich im September 1945 von Liegnitz nach Westdeutschland ab. Carl Fuhrmann übernahm in Heidelberg eine Position bei der dortigen Brauerei, die er bis November 1960 innehatte. Nach sechsjährigem Krankenlager verstarb die Gattin unseres Landsmannes Fuhrmann, der heute als bescheidener, sogenannter LAG-Rentner seinen Lebensabend in Heidelberg, Alte Eppelheimerstraße 84 verbringt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 34, Juli 1972, Seite 3] | |||||
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Heerstraße, vorne rechts eine Brauerei und das Kaiserliche Postamt |
Derselbe Blick einige Jahre später, das Grundstück neben der Post nun bebaut |
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| "Erinnerungen an Palmsonntag 1916. Alljährlich am Sonntag vor Karfreitag denke ich an meine Konfirmation in Belgard. Als ich mich damals mit meinen Angehörigen zur Marienkirche begab, kamen wir in der Friedrichstraße an der noch lodernden Brandstätte der drei Häuser Fleischermeister Wendt, Kaufmann Paske, Glasermeister Venzke vorbei. Das Großfeuer war tags zuvor in der Räucherkammer der Fleischerei Wendt ausgebrochen. Ich wurde von Superintendent Dr. Emil Klar konfirmiert. Auf meinem Einsegnungsschein stand der Bibelspruch: 'Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes'. Oft hat sich in meinem Leben der Spruch mahnend bemerkbar gemacht, so als ich bis 1945 Kriegsteilnehmer an der Ostfront war, später als Heimatvertriebener und nicht zuletzt im Zeichen des Wirtschaftswunders. Am Tage nach der Konfirmation machte man Visite bei den Gratulanten. Von diesen möchte ich Kreissparkassendirektor Hildebrandt und Frau erwähnen, deswegen weil ich meines Erachtens dort das schönste Geschenk erhielt. Mit der Familie Hildebrandt waren wir befreundet, weil Mutter für diese schon seit Jahren Stickereien ausführte. Hildebrandts legten mir ans Herz, die 10 Gebote als Grundlage meines Lebens zu beachten, dann würde ich immer vorankommen. Beim Abschied drückte mir Herr Hildebrandt einen Taler in die Hand, dessen eine Seite die Prägung des Kaiserbildnis und die andere ein Relief von 1813 zeigte mit der Inschrift: 'Der König rief und alle, alle kamen'. Stolz und eilig kehrte ich heim und vergaß dabei, noch weitere Gratulanten zu beehren. Unser Untermieter, Gerhard Krahe, der Techniker im Baugeschäft Utech war, schenkte mir eine Ankeruhr mit Kette. Ihr Leuchtzifferblatt und Sprungdeckel mit meinem Monogramm 'F.S.' imponierten ungemein. Ich wußte nun nicht, ob Uhr oder Taler das bessere Geschenk war. Beides verwahrte ich in einem Samtetui in Mutters Vertiko. Letztmalig sah ich diese Kleinods im Jahre 1942 bei meinem Fronturlaub. Aus dem Kriege kam ich nicht mehr nach Belgard zurück. Mutter wurde 1946 in 10 Minuten aus der Wohnung vertrieben und so fielen Uhr und Taler mit Wohnungseinrichtung den nachfolgenden Leuten in die Hände. Mir blieb als Trost mein Konfirmationsspruch...." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 31, April 1972, Seite 2] | |||||
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| Die Friedrichstraße mit Blick in Richtung Heerstraße (Aufnahme vor 1914) | Blick von der Ecke Heerstraße / Kleiststraße in die Friedrichstraße, links das Postgebäude, rechts das Geländer zur Leitznitz (Aufnahme vor 1914) | ||||
| "Erinnerungen an die Belgarder 'Kunst'-Schule. Der Monat April gibt Veranlassung, an das 1909 von Dachdeckermeister Kunst in der Kleiststraße erbaute stattliche Wohnhaus zu erinnern. Dieses wurde 1910 der Stadtverwaltung für Schulzwecke vermietet. Das Haus hatte acht Schulklassen, ein Konferenzzimmer, eine Lehrerwohnung und Wohnung für die Familie Kunst. Als im Oktober 1928 die neue Hindenburgschule an der Pankniner Straße bezugsfertig war, ließ Kunst die im Volksmunde nach seinem Namen benannte Schule zu Wohnungen umbauen. Februar 1929 ist Kunst dann verstorben. Seine Töchter Klara und Emma wurden Erben dieses Anwesens, welches sie im Februar 1946 als Heimatvertriebene verlassen haben. Heute verbringen die Geschwister Kunst ihren Lebensabend im Neuen Rentnerheim 2251 Hattstedt über Husum. [....] Das der damaligen Schule gegenüberliegende Wohn- und Geschäftshaus von Hugo Klauke (vormals Jandt) wurde [....] dem Erdboden gleichgemacht." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 19, April 1971, Seite 3] Fräulein Emma Kunst, eine seiner beiden Töchter, half zeitweise bei uns im Maaßschen Geschäft an der Kasse aus und unterstützte meine Mutter Anfang des Krieges, als sie nach der Einberufung meines Vaters zur Wehrmacht das Kolonialwarengeschäft alleine führen mußte. | |||||
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| Die Friedrichstraße in Richtung Einmündung der
Hindenburgstraße gesehen, links vor der Einmündung die "Schauburg",
eines der beiden Belgarder Kinos, daß ich ebenso wie das um die Ecke
gelegene "Capitol" in
meiner Jugend häufig besuchte (Aufn. 2. Hälfte der 30er Jahre) |
Die Friedrichstraße einige Gebäude weiter in Richtung Zentrum, links die Einmündung der Hindenburgstraße (Aufnahme vor 1914). Im vierten Gebäude auf der rechten Straßenseite unmittelbar vor der Post hatten Trudchen und Piet [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 3]uch, gute Freunde meiner Eltern, eine Drogerie. |
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| "Goldenes Ehejubiläum begingen der frühere Drogeriebesitzer Emil Czepluch und Gattin Gertrud geb. Dreyer, jetzt 741 Reutlingen, Heilbronnerstraße 8 wohnhaft. Czepluch führte damals in seinem eigenen Hause zwischen Post und Gaststätte Otto Eyrich in der Friedrichstraße vom Oktober 1924 bis Juli 1938 eine Drogerie ersten Ranges. Das Geschäft wurde pachtweise an die Kösliner Seifenfabrik Bruno Kelm als Filialbetrieb überlassen. Czepluch erwarb ein Grundstück in Falkenstein im Vogtland, von wo er im Juli 1960 mit Gattin flüchten mußte. Seitdem lebt das bekannte Belgarder Ehepaar im schönen Württemberg und läßt durch 'Presseschulze' seine einstigen Geschäftskunden und alle noch lebenden Belgarder recht herzlich grüßen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 2, November 1969, Seite 4] | |||||
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| Central-Drogerie Emil Czepluch Friedrichstraße 86 | Photoatelier Gustav Köppen Belgard in Pommern Die Platte zur Nachbestellung aufbewahrt |
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| 85. Geburtstag beging am 12. November 1972 der
frühere Drogeriebesitzer Emil Czepluch, 741 Reutlingen, Heilbronnerstraße
28. Das Foto zeigt sein einstiges Geschäftshaus in Belgard, Friedrichstraße
86 neben der Post. Beide Läden wurden im Juli 1938 vereint und an die
Kösliner Seifenfabrik Bruno Kelm für zehn Jahre verpachtet. Czepluch
siedelte nach Falkenstein / Vogtland, wo er ein Grundstück mit Drogerie
erwarb. Seit |
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| Geschäftsanzeigen aus Belgard 1933 [Aus dem Lande Belgard, Nr. 137, Februar 1981, Seite 9] |
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| Die Friedrichstraße an der Einmündung Hindenburgstraße
mit Blick in Richtung Heerstraße, im Eckgebäude links war zu
meiner Zeit Café Klotz (Café Central), ein vor dem Kriege
beliebtes Tanzcafé (Aufnahme vor 1914) |
Café Klotz (Café Central) in den dreißiger Jahren | ||||
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| K. Hellermann & Co Belgard a/P. kaum noch lesbare Beschriftung auf einem alten Porzellanverschluß einer Flasche der Firma Hellermann. Zur Abbildung Friedrichstraße (oben): Schräg gegenüber von der Ecke Hindenburgstraße mündete in die Friedrichstraße hinter dem zweiten Gebäude auf der rechten Straßenseite die Baumstraße ein, an deren Ende die Brauerei und Mineralwasserfabrik Hellermann lag. Die Tochter der Familie Hellermann, Ruth Hellermann, die nach Kriegsende über die Vertreibung hinaus in Belgard geblieben und einen Polen geheiratet hatte, wohnte bei meiner Reise nach Pommern 1984 in einem halbverfallenen Haus in der Baumstraße (vielleicht ihr ehemaliges Elternhaus). Sie führte mich damals durch die Stadt, erzählte mir viel vom Leben unter den Polen und war ängstlich darauf bedacht, als Deutsche nicht aufzufallen. So gab sie auch mir zahlreiche Verhaltensregeln und Empfehlungen, etwa was ich photographieren dürfe. |
Blick von der Ecke Friedrichstraße / Baumstraße
in Richtung Heerstraße, rechts das kaiserliche Postamt (kurz nach der Jahrhundertwende) |
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| Geschäftsanzeigen aus Belgard 1933 [Aus dem Lande Belgard, Nr. 137, Februar 1981, Seite 9] |
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| Hotel Schwarzer Adler in der Friedrichstraße (Aufnahme vor 1914) |
Buffetzimmer und Speisesaal (Aufnahme vor 1914) |
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| "Eine Belgardbesucherin erzählt: Seit einigen Wochen bin ich nun wieder von einem Besuch meiner Geburtsstadt Belgard zurück, die ich seit meiner Vertreibung 1945 zum ersten Male wiedergesehen habe. Obwohl ich schon vieles über die dortigen Verhältnisse gelesen und von Besuchern gehört habe, entschloß ich mich freudig, teils auch zögernd, zu dieser immerhin ungewöhnlichen Reise. - Über allem jetzt so anderm grüßte vertraut wie einst der Kirchturm. Wohl waren einige mir bekannte Häuser instandgesetzt, auch viele Neubauten zu sehen. Aber alles war so anders, es kostete mir Überwindung, mich mit den Tatsachen abzufinden. - Unser Hotel 'Polonia', wo wir untergebracht waren, es war das frühere Hotel 'Zum schwarzen Adler' in der Friedrichstraße, ließ im Vergleich zu den Reisehotels in Kolberg und Köslin, sehr zu wünschen übrig. Unsere einstige Wohnung zu besichtigen, war der jetzigen polnischen Bewohnerin garnicht recht, schließlich gewährte sie dann doch. Wir haben aber auch einige freundliche Bewohner von 'Bialogard' angetroffen. - Unsere Reisegruppe bestand aus 14 Personen, die meist aus dem Landkreis Belgard stammten. Immerhin fand ich es gut, im heutigen Belgard gewesen zu sein, um mir selbst einen Eindruck vom dortigen Leben und Treiben verschafft zu haben. Einsenderin ist Frau Johanna Hamann aus 4500 Osnabrück, Lürmannstraße 27. Die gebürtige Belgarderin ist die Tochter des seit 13. Oktober 1932 verstorbenen Kreisoberinspektors Richard Hamann und seiner am 9. April 1980 verstorbenen Gattin." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 131, August 1980, Seite 4] | |||||
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| Die Friedrichstraße auf Höhe Hotel Schwarzer Adler, Blick in Richtung Stadtzentrum (Aufnahme vor 1914) |
Im Hotel Schwarzer Adler in der Friedrichstraße (Aufnahme aus den dreißiger Jahren) |
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| Zur Aufnahme links: "Das Haus Nr. 73 Ackerbürger Hahn, Nr. 74 Bäckermeister Paul Raasch mit 50-Pfg-Basar der Geschwister Sprengel, Nr. 75 Gasthof 'Zum schwarzen Adler', Inhaber Albert Reblin, Nr. 76 Ackerbürger Beilfuß mit Uhrmacher M. Köster, Nr. 77 Schneidermeister Albert Henke, Nr. 78 Textil-Chaitkin, Nr. 79 Fleischerei August Wedig, Nr. 80-81 Bäckermeister Max Klotz. Gegenüber war die 'Süße Ecke' mit Conditorei Geschwister Küker, Goldschmied Johannes Bastian und Filmtheater der Eheleute Pätzold. Die Straße hatte 'Bonbonpflaster' und Gaslaternenbeleuchtung, die ab zehn Uhr abends auf halbdunkel eingestellt wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 42, März 1973, Seite 1] "Schicksal Belgarder Jungens. Heute vor 30 Jahren, Herbst 1941, fanden sich die vier Brüder Robert, Walter, Albert und Fritz Conradt zu einer Wiedersehensfeier in Kiel ein. Keiner ahnte, daß es ihr letztes Beisammensein war. Wir gedenken ihrer! [....] Robert, geb. 2.1.1906, begann seine Berufslaufbahn bei Kaufmann Bernhard Maaß, Marienstraße 15/16 und wird vielen Belgardern noch als Torwart beim VfB 1911 und Mitglied des DHV bekannt sein. Im Kriege wurde er schwer verwundet, ist im Reserve-Lazarett Tübingen im Dezember 1944 verstorben und wurde auf dem dortigen Ehrenfriedhof beigesetzt. Walter, geb. 15.12.1901, hatte eine Ausbildung als Friseur bei Laschkowski, Torstraße und diente nach beendeter Lehrzeit von 1923 bis 1936 bei der Marine, wo er als Oberfeuerwerker entlassen wurde. Später als Soldat eingezogen und in Frankreich verwundet, ist er im Jahre 1965 an den Folgen eines Unfalles verstorben. Albert, geb. 5.4.1898, der Älteste der vier Brüder, wohnte in den dreißiger Jahren im Hause Friedrichstraße 81/82 und später in seinem Eigenheim im Grünen Winkel. Er war als Oberturnwart des TV Belgard 1861 mit den damaligen Otto Kölpin und Erhard Witt ein Favorit des Sports. Seit 1945 herrscht über sein Verbleiben völlige Ungewißheit. Fritz, als der Jüngste von den Vieren, mußte damals auf Vaters Verlangen das ehrbare Schuhmacherhandwerk lernen. Fritz hatte gegen diesen Beruf 'Abneigung'. Er verließ nach beendeter Lehrzeit sein so liebes Belgard. Was ihm in der Heimat versagt blieb, gelang ihm in der Fremde: Fritz wurde Bürokrat. Über Arbeitsdienst, Luftwaffe und Kriegsmarine kam er nach Kiel. Dort fand er sein großes Glück: die hübsche Belgarder Hildegard Genz, Friedrichstraße 53. Es wurde geheiratet und von amtswegen nach Brunsbüttel verzogen. Seitdem haben sich die beiden so eingelebt, daß sie im Mai 1972 das Fest der Silberhochzeit begehen wollen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 26, November 1971, Seite 7] | |||||
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| Die Friedrichstraße mit Blick in Richtung Bahnhof, rechts die Einmündung der Burgstraße, dahinter Ackerbürgerhäuser (Aufnahme vor 1914) |
Die Friedrichstraße Ende des 19. Jahrhunderts kurz hinter der Einmündung der Baumstraße, rechts die Häuser von Belgarder Ackerbürgern |
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| "[Seinen] 70. [Geburtstag] hofft am 3. Januar
1976 der Uhrmachermeister Herbert Lutter in 674 Landau/Pfalz, Hindenburgstraße
3 zu begehen. Er erblickte einst im benachbarten Schlawe an der Wipper das
Licht der Welt. Wie vom Magnet angezogen, wandte er sich später der
Persantestadt Belgard zu. Hier hatte es ihm scheinbar Koesters Nichte angetan.
Jedenfalls er kam, siegte; 1930 war die Hochzeit. Mit der jungen Frau, die
das Uhrmacherhandwerk gründlich erlernt hatte, übernahm Herbert
das alteingeführte Uhrenfachgeschäft in der Friedrichstraße
77 im Hause des Ackerbürgers Beilfuß samt der großen Pendeluhr
im Schaufenster. Neu etabliert hat sich das junge Paar dann im Neubauladen
der Schauburg. Seit August 1939 war Lutter Soldat, im April 1946 wurde seine
Familie vertrieben und einige Zeit später starb seine Lebensgefährtin.
Zeit eilt, Zeit heilt. So verkündete es die in der Heimat zurückgebliebene
Reklameuhr, deren Pendel allein 70 Pfund wog. In Landau fand Herbert Lutter
neue Heimat, neues Eheglück und viel Arbeit durch ehrenamtliche Tätigkeit.
Seine charmante Roselies gibt sich erdenkliche Mühe, den Lebensabend
ihres Herbert so angenehm als möglich zu machen." [Aus dem Lande
Belgard, Nr. 75, Dezember 1975, Seite 7] "Belgarder Häuser bringen sich in Erinnerung. Dieses schöne Haus in Belgard, Friedrichstraße Nr. 70 mit Einmündung in die Georgenstraße gehörte Bäckermeister Paul Wittstock und Frau Anna geb. Naß. Beide hatten am 10. Juni 1905 geheiratet und das Haus mit Bäckerei käuflich erworben. Im Juni 1930 brachte hier die Stadtkapelle Klemz dem Ehepaar überraschend ein Ständchen zur Silberhochzeit. In der Hausfront zur Friedrichstraße befand sich noch ein Friseurgeschäft, wo ich auch später Kunde wurde. Paul Wittstock verstarb am 13. Mai 1935 in Belgard, seine Gattin Anna verbringt mit 94 Jahren ihren Lebensabend (Stichtag 27. Mai 1981) in 5632 Wermelskirchen, Groß-Rostinghausen Nr.15. Körperlich behindert, ist sie aber geistig noch rege." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 141, Juni 1981, Seite 6] |
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| Die Friedrichstraße Anfang des Jahrhunderts auf Höhe Hotel Schwarzer Adler, Blick stadtauswärts, im Hintergrund rechts Ackerbürgerhäuser | Die Friedrichstraße einige Gebäude weiter stadtauswärts, auf der rechten Straßenseite nun die zweigeschossigen Häuser der Belgarder Ackerbürger. Während des Krieges war ich zum Ernteeinsatz bei einem Ackerbürger dienst-verpflichtet, der seine Felder am Stadtrand hatte und mit seiner Familie in einem dieser Häuser wohnte. | ||||
| "Bartel der Feilenschlucker. Zum Vergnügen
der Einwohner, vielleicht auch zwecks Kundenwerbung, bot der im Hause des
Ackerbürgers Hohenwaldt in der Friedrichstraße wohnende Schuhmacher
Bartel den Leuten hin und wieder ein ergötzliches Zauberspiel: Sobald
Bartel auf der Straße schöne Frauen erblickte, sprang er von
seinem Schusterschemel auf, verbeugte sich und jonglierte mit einer langen
Schusterfeile. Dadurch hatte er die Aufmerksamkeit des Passanten auf sich
gelenkt. Dann markierte er, als verschlucke er die Feile, in Wirklichkeit
ließ er diese hinter seine blaue Schusterschürze verschwinden.
Mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen fiel er 'besinnungslos'
zu Boden. Ein Teil der Gaffer draußen lachte, andere waren sichtlich
bestürzt, und diejenigen, die dieses Schauspiel schon des öfteren
gesehen, gingen ruhig weiter mit der Bemerkung: 'Meister Bartel zaubert
mal wieder!' Nach einer Weile kam Bartel wieder zu sich und tat, als habe
er heftige Magenkrämpfe. Aus weit geöffnetem Munde kam dann die
Feile (hinter der Schürze) wieder zum Vorschein. Nach einer eleganten
Verbeugung, in der erhobenen Rechten die Feile, in der linken Hand eine
große weiße Glaskugel, nahm Meister Bartel als dann wieder seine
Arbeit auf." [Aus dem Lande Belgard, "Nachruf zum Tode des Kreisoberinspektor i.R. Paul Scheiwe. Zu meiner Kurzmeldung im Januar-Rundbrief |
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| Konditorei Kückers in der Friedrichstraße / Ecke Roßstraße (Aufnahme vor 1914) |
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| Aus der Festschrift zum Sängerfest anläßlich
des 75jährigen Jubiläums der Belgarder Liedertafel von 1852, an dem als langjähriges Mitglied auch mein sangesfreudiger Großvater Johannes Alverdes teilgenommen haben dürfte. |
Hotel Pommerscher Hof in der Friedrichstraße / Ecke Brückenstraße |
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| Zur Abbildung links: "Dem Gedenken an Julie
Ludwig. Dichterische Ader einer liebenswerten Belgarderin. Im Hause Friedrichstraße
46 neben dem Landwirtschaftlichen Einkaufsverein wohnte einst Klavierlehrerin
Julie Ludwig, eine dichterisch begabte, stets freundliche Dame, für
alle edlen und nationalen Bestrebungen begeistert. Zum Sängerfest der
Liedertafel 1852 welches am 28. und 29. Juni vor 75 Jahren in Belgards Mauern
in großem Rahmen veranstaltet wurde, widmete sie für die Festschrift
folgenden poetischen Erguß: 'Es wohnt die Ahnung eines guten Rechts
/ auf Erdenglück in jedem Menschenherzen: / wir fühlen, daß
wir göttlichen Geschlechts, / und suchen, was uns fehlt, mit großen
Schmerzen. // Ein Tropfen Wehmut fällt in jede Freud', / und für
das Leid ist auch ein Trost vorhanden: / du brauchst ihn suchen gar nicht
in der Welt / der treuste Freund ist dir im Lied erstanden. // Im sanften
Säuseln wie im Sturmgebraus / hat Sangeszauber jedes Herz bezwungen.
/ Ja, wo man singt, da ist man gleich zu Haus, / da fühlt man sich
von Liebe ganz durchdrungen.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 81, Juni
1976, Seite 7] "Dr. Rustemeyers fünfter Todestag jährt am 22. August. Otto Rustemeyer wurde am 13. Januar 1898 im Kreise Regenwalde geboren und bestand in Halle / Saale das Studium für Landwirtschaft. Wir Belgarder kennen ihn als Diplomlandwirt beim Landwirtschaftlichen Einkaufsverein in der Friedrichstraße, wo er von 1928 bis 1939 tätig war. Den zweiten Weltkrieg machte Dr. Rustemeyer als Offizier an der Westfront mit und fand nach seiner Entlassung aus der französischen Kriegsgefangenschaft eine Anstellung beim Landkreis Hann.-Münden. 1963 trat er in den Ruhestand und verzog mit Familie nach Crailsheim, wo ihn Krankheit mit Todesfolge ereilte. Rustemeyer liegt in Crailsheim beerdigt und war ein Schwiegersohn des Gutsbesitzer Fritz Graßmann-Ackerhof bei Belgard. Im obigen Foto sieht man Oma Graßmann im Sommer 1944 mit ihren Enkeln Dörte und Friedrich-Christoph Rustemeyer, Elisabeth, Bärbel und Christina Modrow. Letztere sind drei Töchter der zweiten Graßmanntochter Christel." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 5] |
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| Die Friedrichstraße kurz nach der Jahrhundertwende | Hotel Kaiserhof in der unteren Friedrichstraße (Aufnahme vor 1914) |
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| "Zum zehnten Todestag von Arthur Priebe. Wer erinnert sich des 1885 geborenen Belgarders Arthur Priebe, der sich einen der schönsten, aber auch der schwersten Berufe - den eines Gärtners - erwählt hatte. 1900 begann seine Lehre im Kösliner Gartenbaubetrieb Buske. Am 5. August 1919 heiratete Priebe seine 'Schlawinerin' Alma geborene Maaß, die am 6.12.1892 in Schlawin das Licht der Welt erblickte. Ein Jahr später erwarb Meister Priebe die damalige Gärtnerei Reichow, Baumstraße 3 nebst Blumenhalle Heerstraße 34. Eheleute Priebe waren wie für ihren Beruf geschaffen. Freude und Leid teilten sie aufrichtig mit ihrer Kundschaft. Als eifriger Sangesbruder der 'Liedertafel', selten treues Mitglied der Kriegerkameradschaft und der Schützengilde, deren erster Ritter er 1944 war und in seinem Beruf als Ortsfachwart des Gärtnerhandwerks, war er ein geschätzter Bürger seiner Vaterstadt. Im Jahre 1950 erfolgte die Ausweisung der Eheleute Priebe nach Gaggenau Kreis Rastatt zu ihrer Tochter Charlotte. Dort waren dem auch dann noch mit der Pflanzenwelt verbundenen Heimatvertriebenen knapp zehn ruhige Lebensjahre beschieden. Am 25. Juli 1960 wurde Arthur Priebe in Gaggenau zu Grabe getragen. Seine Gattin folgte ihm acht Monate später in die Ewigkeit." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 10, Juli 1970, Seite 4] | |||||
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| In der unteren Friedrichstraße mit Blick in Richtung Amtsgericht, rechts das Bahnhofs-Hotel |
Kleendehns Gasthof in der unteren Friedrichstraße (vor 1900) |
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| Zur Abbildung links: "So kennt man die untere
Friedrichstraße, Nähe Bahnübergang, vor vielen Jahrzehnten.
Das Bahnhofs-Hotel existierte später nicht mehr, das Haus mit Toreinfahrt
gehörte der Mehlhandlung Bernhard Melms. Beide Gebäude erwarb
der Landwirtschaftliche Einkaufsverein. Das Nachbarhaus gehörte Klavierlehrerin
Hanna Ludwig, das angrenzende Haus dem Stadtrat Pagel. Besitzer des nächsten
Hauses mit Schaufenster war Sattlermeister Pötschke. Dort führte
die kurze Brückenstraße zum Leitznitzbach. Gegenüber, hinter
der Baumreihe, war das Königliche Amtsgericht. Anschließend das
Haus des Kupferschmieds Kohls und das des Justizrates Koeppel. An diesen
Straßenteil wird sich Landsmann "Als man noch unbesorgt mit Geldbeutel einherging. In meiner Geburtsstadt Belgard befand sich in der Friedrichstraße 53 die Reichsbank. Ein heller Renaissancebau mit hohen Fenstern und großem Torbogeneingang. Im Erdgeschoß befanden sich die Kassenräume mit kunstgeschmiedeten Gitterfenstern, oberhalb die Zimmerflucht des seinerzeitigen Reichsbankdirektors Elias. Ein übergroßes Messingschild am Hause verkündete kurz 'Reichsbank'. So wußte jedermann, daß hier die Quelle war, wo Sparkassen und größere Geschäftsunternehmen ihr 'Moos' schöpften. - Es war die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Das geschäftliche Leben nahm ungestört und ohne besondere Vorkommnisse seinen Lauf. In unserem Zeitalter mit den häufigen Banküberfällen mutet es eigenartig an, wenn man heute erzählt, wie damals die Leute ohne jeglichen Argwohn mit ihren, zumeist mit Goldstücken und Silbertalern gefüllten Geldsäckel, zur Reichsbank gingen oder von dort kamen. Niemand kam auf den Gedanken, eine so auffällig mit Geld beladene Person zu überfallen. So selbstsicher war auch der damaligen Reichsbankbote und zugleich als Hausmeister amtierende Herr Martin Genz, wenn er mehrmals derart beladen am Tage zur Post oder zu den Sparkassen ging. Es war eben die 'gute alte Zeit', die in vielem etwas für sich hatte, dann aber der fortschreitenden Entwicklung den Vorrang geben mußte." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 5] |
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| Die Landwirtschaftsschule in der Friedrichstraße 43 / Ecke Bismarck-Allee, im Haus nebenan wohnten die Eltern von Walter Fritzke, einem Freund meines Vaters Erwin Maaß, der mit seiner Familie in den dreißiger Jahren für die Firma Siemens nach Tokio ging (Aufnahme von Ende der zwanziger Jahre) |
Ein Umzug vor dem 1. Weltkrieg am unteren Ende der Friedrichstraße: rechts das Eckhaus Friedrich- straße 43 / Bismarck-Allee (die spätere Landwirtschaftsschule) | ||||
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| Blick von der Kleiststraße zum Alten Amt | Auffahrt zum Alten Amt | ||||
| An ihrem anderen Ende mündete die Kastanienallee, welche zum Alten Amt hinaufführte, in die Kleiststraße ein; unweit der Einmündung lag das Haus der Familie Dumjahn (Kleiststraße 27): "Goldenes Ehejubiläum gedenken am 8. Juli 1971 Oberstudienrat i.R. Max Dumjahn und Frau Gertrud geb. Krüger in 477 Soest, de Rode-Weg Nr. 5, früher in Belgard, Kleiststraße wohnhaft. Die Trauung fand seinerzeit in der Marienkirche ihres Heimatortes Greifenberg / Pommern statt. Die Hochzeitsfeier war in der Königstraße 45, dem Geburtshaus der Frau. Dumjahn, welches insofern historische Bedeutung hat, daß Fürst Otto von Bismarck als Offizier bei einer Reserveübung der 3. Dragoner im Jahre 1842 dort gewohnt hat. Ehepaar Dumjahn hat sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter. Der Sohn wurde nach dem Abitur Soldat und wird seit Juli 1944 vor Wilna vermißt. Von den Töchtern ist Marianne als Oberin eines Missionshospitals in Südafrika tätig und hat ihren Besuch zu diesem seltenen Ehejubiläum bereits angekündigt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 21, Juni 1971, Seite 3] | |||||
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| Vor der Auffahrt zum Alten Amt, hier noch mit den beiden mächtigen Pfeilern der Toreinfahrt so wie ich es aus meiner Kindheit kenne - ob die Treppe am Hauseingang damals noch genauso aussah, kann ich heute nicht mehr sagen. Hier auf dem Amtsberg stand im Mittelalter die Belgarder Burg (erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1105). | Das Alte Amt Ende der dreißiger Jahre: Als ich einmal meinen Vater Erwin Maaß zu Rittmeister Mahnke in das äußerlich recht unscheinbare Amtshaus begleitete, war ich von der repräsentativen Eingangshalle und der großen, zweiflügeligen Treppe zu den Räumen im ersten Stock sehr überrascht. | ||||
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| Frühjahrshochwasser am Alten Amt | Das Alte Amt im Winter | ||||
| "Not macht erfinderisch. Dieses Sprichwort bewahrheitete sich in den Kriegsjahren 1916/17. Die damaligen Zeiten wurden immer schlechter. Lebensmittel gab es nur auf Marken, Bekleidung und Ersatzgegenstände nach Bedarfsprüfung nur auf Bezugsscheine. Wer ein Fahrrad besaß, mußte dessen Benutzung als kriegswichtig nachweisen und bekam dann eine Dringlichkeitsbescheinigung für weitere Benutzung der Gummischläuche und -mäntel seines Fahrrades, anderenfalls mußten diese an einer behördlichen Sammelstelle abgeliefert werden. Wollte dennoch jemand dem Radsport huldigen, konnte er sich bei Julius Küken oder Franz Westphal eine Ersatzbereifung kaufen. Das war ein in den Radfelgen einzuspannender Spiralfederschlauch. Auf glatter Chaussee oder festen Radwegen ging es so leidlich, jedoch eine Fahrt auf dem üblichen Betonpflaster der Belgarder Straßen führte allemal zum Schüttelfrost für den Radler. Immerhin gewöhnte man sich allmählich an die Benutzung solcher Vehikel, die meist als Lastenträger für Sammelholz aus dem Walde oder Beutegut von einer Hamstertour benutzt wurden. Als Besitzer eines 'Brennabor' mit solchen Spiralschläuchen begab ich mich damals nach der hinter dem Stadtholz gelegenen Landgemeinde Lülfitz, um den uns bekannten Bauernhofsbesitzer und Amtsvorsteher Ewald Maaß heimzusuchen. Zu der dreifachen Kraftaufwendung für ein solches Fahrzeug kam die sommerliche Hitze des Tages, so daß ich für die etwa zehn Kilometerstrecke über eine Stunde benötigte. Der Rückweg dauerte länger, weil das beladene Fahrrad geleitet wurde. Doch die Fahrt belohnte sich den damaligen Zeitumständen entsprechend immer. Mit einem halben Bauernbrot, einigen Kilo Kartoffeln, Steckrüben, Roggen zum Kaffeebrennen, einer Flasche Milch, Backobst, etwas Butter, nur in Verbindung mit einem Vergrößerungsglas zu verwenden, und 'Anteilen' von einer im Dorf 'zufällig' gehabten 'Notschlachtung' kehrte ich befriedigt heim." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 77, Februar 1976, Seite 8] | |||||
| mehr als 400 historische Ansichten und 50 Vergrößerungen weitere Motive und Vergrößerungen folgen Alle Bildunterschriften von Eleonore Gürge geb. Maaß Alle Texte von Fritz Schulze, Redakteur der ehemaligen Belgarder Zeitung ("Presse-Schulze"), im Heimat-Rundbrief Aus dem Lande Belgard der Jahre 1969 bis 1982 ![]() |
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| "Echte Kameradschaft beweist der nachstehende Pressebericht, entnommen der 'Kolberger Zeitung', Dezember-Ausgabe 1969. Zu Beginn der zwanziger Jahre war ich auch für diese Zeitung Berichterstatter für Stadt- und Landkreis Belgard / Persante. Jetzt nach fast fünfzig Jahren gedenkt der damalige Redakteur Erich Müller seines derzeitigen Mitarbeiters Fritz Schulze in so besonders schönen Weise. Dafür möchte ich Landsmann Müller, jetzt 5672 Leichlingen wohnhaft, hiermit herzlichen Dank aussprechen. '[....] Wir hatten unlängst von der Verbindungsaufnahme mit unserem alten Belgarder Berichterstatter, Schriftleiter Fritz Schulze (6202 Wiesbaden-Biebrich, Rathausstraße 37) berichtet. Als geborener Belgarder kennt Landsmann Schulze seine Heimatstadt Belgard natürlich wie seine Westentasche und er hat auch schon mancherlei Ereignisse aus der Belgarder Lokalchronik aufgezeichnet. Jetzt ist Landsmann Schulze sogar unter die Herausgeber von Heimatbriefen gegangen. 'Aus dem Lande Belgard' nennt er einen sogenannten 'Persönlichen Brief mit heimatlichen Erinnerungen'. Es gehört in der heutigen Zeit Courage dazu, als Herausgeber von Heimatbriefen auf den Plan zu treten. Freund Schulze scheint über die dazu gehörige Portion Courage zu verfügen, die beiden vorliegenden Briefe beweisen das. So möchten wir dem Belgarder Nachbarn von der Körliner Warte aus ein herzliches Glückauf zurufen. Besonders gelegen ist ihm an der Bekanntgabe von Adressen ehemaliger Belgarder Bürger. Sicherlich werden unsere Körliner Freunde ihm dabei behilflich sein können.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 4, Januar 1970, Seite 2] | |||||