| Frühe Vorfahren der Familie Alverdes | ||||||||||||||
Die Vorfahren der Familie Alverdes stammten ursprünglich aus
Halberstadt. Ihr Name ist nicht etwa spanischen Ursprungs, sondern entstand
entweder aus dem altgermanischen Albward, Alfward oder aus Alfhart (Alverd),
also aus um die Jahrtausendwende in Sachsen und Niederfranken gebräuchlichen
Namen, wobei im Verlauf der Jahrhunderte etwa aus Georg Alwards Sohn dann
Georg Alfwardes bzw. Georg Alverdes wurde. Auf diese Weise entwickelte sich
aus einem altsächsischen Vornamen, welcher zwischen 800 und 1200 im
Münsterland häufig anzutreffen war, der Familienname Alverdes,
der mit der Abwanderung des Bevölkerungsüberschusses aus dem bereits
um das Jahr 1100 dicht bevölkerten Westfalen in Richtung Osten in die
wenig erschlossenen und von Slawen nur dünn besiedelten Regionen Mitteldeutschlands
gelangte, wo er in den folgenden Jahrhunderten in den unterschiedlichsten
Schreibweisen (Alardus, Alberdes, Alerdes, Alewardes, Alfferdes, Alredes,
Alverdes, Alverkes, Alverles, Alwerdes, Alwerdeß) insbesondere im
Raum zwischen Hannover und Magdeburg und im nordöstlichen Harzvorland
auftaucht. So finden sich dann auch - von drei Ausnahmen abgesehen - alle
mit der Silbe Alve- beginnenden Ortsnamen (Alvelinhusen, Alvensleben, Alverdissen,
Alvern, Alversdorf, Alverskirchen, Alverslohe, Alversrode, Alverthusen,
Alvesen, Alvesheim, Alvesse, Alvessem), die ihre Bezeichnung einem einst
dort lebenden Alfward oder Alfhart (Alverd) verdanken, in einem eng begrenzten
Streifen zwischen Münster und Magdeburg und damit nahezu ausschließlich
im Bereich jener west-östlichen Wanderungsbewegung (wobei etwa Alverdissen
ursprünglich der Name eines Hofes gewesen ist, der einst den Alverdessen
gehörte). Urkundlich verbürgt ist der Name Alverdes erstmals Ende
des
Georg Alverdes der Ältere, *1573/74, 11.5.1660 in Halberstadt, Bürgermeister von Halberstadt. Aus seiner ersten Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Frau ( 9.11.1627) gingen fünf Kinder hervor: Konrad Alverdes [Daten nicht bekannt] || Georg Alverdes Georg Alverdes d. Ä. wurde bereits 1615 als Bürgermeister genannt, saß 1629 im Rat von Halberstadt und war in den Jahren 1647, 1651, 1652 und 1655 wiederum Bürgermeister der Stadt: "Über seinen Beruf ist uns nichts bekannt. Er wohnte in der Martinipfarre, zog aber vor 1623 in die Paulsnachbarschaft. Dort hatte die protestantische Gemeinde schon lange Streit mit den restlichen katholischen Mönchen wegen der gemeinsamen Benutzung der Paulskirche. Kaiser Ferdinand läßt deshalb am 7.7.1623, also mitten im 30jährigen Krieg, einen Brief aus Wien an das Domkapitel schreiben und beschwert sich, 'daß die Vorsteher und Älterleute der evangelischen Gemeinde die Glocken mit Gewalt und ohne Bezahlung läuten, die Kirchenbänke für die Frauen umgerissen und die Türschlösser ausgetauscht hätten. Sie haben gedroht, die Pfaffen aus der Stadt zu jagen. Der Kaiser gebietet Euch .... die Anstifter zur Strafe zu ziehen und binnen zwei Monaten nachzuweisen, daß diesem Mandat in allem gehorcht ist.' Er nennt unter den Anstiftern auch ausdrücklich Georg Alverdes. Ob der nun bestraft wurde, ist nicht bekannt [....] Man wird sich unseren Stammvater wohl weniger als protestantischen Glaubenskämpfer, sondern eher als Vertreter städtischer Interessen in der Auseinandersetzung mit dem Klerus vorzustellen haben. Georg ist noch vor der Jahrhundertwende aufgewachsen und hat die guten Jahre bis 1618 in Frieden und Wohlstand erlebt. Er ist dann an verantwortlicher Stelle in die Katastrophe des großen Krieges geraten, hat all das Elend mit ansehen müssen und sicher sein ganzes bewegliches Vermögen verloren. Die Bevölkerung Halberstadts ging von etwa 12000 im Jahre 1624 auf ungefähr 3000 am Ende des Krieges zurück. Noch 1664 wurden nur 913 Haushaltungen gezählt, aber 787 wüste Häuser." [Alverdes 1987, "[....] Dann bricht der große Krieg aus, der Bischof, der tolle Christian, preßt sein eigenes Land aus, um ein Heer von 20.000 Söldnern zu finanzieren. Mit ihm zieht er für die protestantische Sache ins Feld und kommt elend um. 1625 setzt sich Wallenstein im Stift fest und läßt seine Soldateska auf die bekannte Weise Beute machen. Schon nach wenigen Wochen stehen in Halberstadt 288 Häuser leer, bald sind es 400, dann 800, die von ihren Bewohnern verlassen sind und ausgeräubert oder zerstört werden. Die Hälfte der Halberstädter ist also geflohen, hat versucht, sich dem unerträglichen Druck zu entziehen. Das Haus von Michael Alverdes steht leer und wird ausgeplündert, auch Konrad Alverdes hat Halberstadt verlassen, seine Witwe kehrt später zurück und muß noch viel Trübsal und Beraubung erdulden. Bei den Zurückgebliebenen wird die Not so groß, daß 'die Leute am Lebensüberdruß starben, in Brunnen sprangen, oder sich sonst entleibten'. Zu allem Unglück kommt 1626 noch die Pest, an der in wenigen Wochen Georg Alverdes d. Ä. war ein Vetter des wohlhabenden, kinderlosen Dr. Konrad Alverdes, der sich im September 1563 gemeinsam mit seinem Bruder Christian als Student der Rechte in Wittenberg immatrikuliert, Doktor des alten deutschen und des noch älteren römischen Rechtes wurde (welches sich jedoch in der Folgezeit durchsetzen sollte), von 1581 bis 1612 in den Diensten der Grafen von Stolberg-Wernigerode stand, Ostern 1601 für 1500 Taler das Wohnhaus des Priors und zugleich Brauhaus des Dominikanerklosters an der Gröperstraße kaufte, zu jener Zeit einziges gemauertes und mit Schiefer gedecktes Gebäude Halberstadts (im Gegensatz zu den übrigen, lediglich strohgedeckten Fachwerkhäusern der Stadt), im Jahre 1610 die 1586 geborene und damit etwa 40 Jahre jüngere Katharina Lohden, Tochter des Gutspächters Heinrich Lohden und seiner Ehefrau Elisabeth geb. Peine, ehelichte und schließlich am 24.11.1626 an unbekanntem Orte verstarb. Er setzte Georg Alverdes' Sohn Georg, seinen ebenfalls kinderlosen Bruder Carsten (er bekam 1582 von seinem Vater Carsten d. Ä. Mühle und Wald, die er jedoch an seinen Bruder weiterverkaufte, stiftete der Johanniskirche ein Legat von 100 Gulden, starb vor dem 9.9.1600) und die Geschwister Sebastian, Anna, Elisabeth und Konrad (Kinder eines unbekannten weiteren Bruders) als Erben ein und brachte den überwiegenden Teil seines umfangreichen Vermögens in einen Fideikommiß ein, damit es auch über die folgenden Generationen als Ganzes erhalten bliebe und auf diese Weise die soziale Stellung der Familie Alverdes sichere, welche innerhalb von nur "Nach Anordnung des Stifters sollten seine in und bei Halberstadt gelegenen Grundstücke: Haus, Hof, Mühlen, Aecker, Gehölze, Wiesen, Gärten und alles sonstige gegenwärtige und zukünftige unbewegliche und bewegliche Vermögen, insbesondere auch die Bücher und ganze 'Liberey' ein dauerndes, unveräußerliches und - mit Ausschluß der Mühlen - untheilbares Familien-Fideikommiß bilden, das stets unverringert und unbeschwert, ohne Abzug und Kürzung von dem jedesmaligen Fideikommißbesitzer seinem Nachfolger zu überliefern sei. Erster fideikomissarischer Erbe sollte sein 'seines Vetters Georgen Alverdes, Bürgermeisters zu Halberstadt, eheleiblicher, jetzt anderer [also zweiter] Sohn, auch Georg Alverdes genannt und alle seine ehelichen männlichen Leibeserben in descendente linea in infinitum.' Diesem sollten substituiert sein des Georg Alverdes d. Ä. 'jetzt dritter Sohn Christian Alverdes' und seine männlichen Abkömmlinge des Namens Alverdes, eventuell der ältere Sohn des Georg Alverdes d. Ä. oder des letzteren sonstige Söhne und deren Erben des Namens Alverdes und falls auch diese in Wegfall kommen, die übergangenen Agnaten und deren Erben - ordine successivo secundum gradus - dergestalt, daß bei Vermeidung des Verlustes des Fideikommiß stets nur Einer folgen und bei Erben gleichen Grades major natu. Doch sei dem letzten, mindestens vierzig Jahre alten Fideikommißinhaber gestattet, einen berechtigten Alverdes, der aus einem weiteren Gliede sein könne, sich jedoch tüchtig Kenntnisse in Schule und Universität angeeignet, namentlich Jura studiert haben müsse, durch Testament zum Nachfolger zu erwählen. Töchter und Frauen sollten ganz ausgeschlossen sein, doch solle zunächst des Stifters Ehefrau, dann aber auch die Witwe des jedesmaligen letzten Fideikommißinhabers den lebenslänglichen Nießbrauch des Fideikommisses haben. [....] Zu den von dem Erblasser eingesetzten Testamentsvollstreckern gehörte auch der Stadtrichter Julius Breitsprecher zu Halberstadt." [Küster 1899, S. 37-38] Georg Alverdes der Jüngere, * Sept. 1609 in Halberstadt, 18.4.1686 in Halberstadt, zweites Kind aus der ersten Ehe von Georg Alverdes d. Ä., wird in den Urkunden auch Jürgen und mit Nachnamen Alverß, Alberds oder Albers genannt. Er immatrikulierte sich im Jahre 1628 an der Universität Helmstedt, wurde 1646 "Bauermeister" (eine Art von Bezirksvorsteher) im Martinsviertel von Halberstadt, unterschrieb 1653 gemeinsam mit weiteren Bauer- und Innungsmeistern einen Beschluß zur Diätenerhöhung der Ratsherren, wurde 1676 Stadtkämmerer, wird zudem als Münz- und Zinsherr erwähnt und 1686 Consul genannt. Mehrmals (1673, 1677 und 1686) wurde er wie sein Vater zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Wahrscheinlich ist er Kürschner oder Pelzhändler gewesen, da im Halberstädter Museum neben einem weiteren Wappen, welches das von Konrad Alverdes bekannte Bild zeigt, ein auf Glas gemaltes Familienwappen aus der Zeit um 1670 aufbewahrt wird, mit dem die Halberstädter Schützengesellschaft ihr verdientes Mitglied Georg Alverdes ehrte und welches im Wappenschild einen Hermelinpelz mit einem Schabeisen zeigt, so wie es damals von Kürschnern benutzt wurde. Neben seinem väterlichen Erbteil fällt ihm nach dem Tode seiner Tante im Jahre 1652 das große Vermögen des Dorothea Findelau bringt das Anwartsschaftsrecht auf ein Studienstipendium in die Familie ein: Der reiche, aber kinderlose Bürgermeister Arndt Meyer hatte mit seiner Frau Katharina Dibbe 1000 Taler gestiftet (Meyer-Dibbesche Stiftung), deren Zinserträge jungen Männern aus der Verwandtschaft auf drei Jahre als Stipendium für ein Studium zukommen sollten. Da Dorothea eine Nichte des Bürgermeisters war, gehörten ihre Nachkommen zum Kreis der Begünstigten und so wurden diese Stipendien in der Folgezeit auch mehrmals von der Familie Alverdes in Anspruch genommen. Noch die pommerschen Alverdes des 19. Jahrhunderts haben aus dieser 1609 gegründeten Stiftung Stipendien bezogen: "Es ist an dieser Stelle zweier Stiftungen zu gedenken, auf welche die Nachkommen der Dorothea Findelau aus ihrer Ehe mit Georg Alverdes d. J. ein Anrecht haben. Dies sind die durch die Testamente des Bürgermeisters Arndt (Arnold) Meyer zu Halberstadt vom 21. August 1609, eröffnet am 10. Juni 1614 und seiner Witwe Katharina geb. Dibbe vom 8. Februar 1627, eröffnet am Heinrich Alverdes, ~18.4.1646 in der Martinikirche in Halberstadt, "Konrad Alverdes hatte seinem Namen nicht Ehre gemacht. Nach den über ihn vorliegenden Nachrichten bekümmerte er sich schon auf der Hochschule nicht um die Wissenschaften, sondern ergab sich einem ausschweifenden Leben und macht in Folge dessen Schulden. Das entsprach freilich dem allgemeinen Treiben auf den deutschen Hochschulen Anfang des 18. Jahrhunderts. Bereits nach französischer Sitte gekleidet, den dreieckigen Hut auf dem langfrisirten Haar, führte der deutsche Student ein rohes, viehisches Schlemmer- und Säuferleben, dessen entnervende Eintönigkeit nur durch wüste Raufhändel und Kravalle unterbrochen wurde. Ein wissenschaftliches Streben konnte freilich auf den damaligen Hochschulen kaum einen Boden finden, da die große Mehrzahl der Universitätslehrer unwissende Pedanten waren. Nachdem Konrad Alverdes sich in Halberstadt als Advokat niedergelassen, setzte er, vielleicht veranlaßt durch die unglückliche Ehe mit seiner Frau, welcher ein unsittliches voreheliches Leben vorgeworfen wird und deren in seiner Ehe geborenen Sohn er niemals als den seinigen anerkannte, sein verschwenderisches, lüderliches Leben fort. Er machte Schulden über Schulden. Sein, wie es in den Urkunden heißt, 'ansehnliches' Mobiliar und die baare Mitgift seiner Frau im Betrage von 1100 Thalern verbrachte er. Selbst ihre Kleider, Linnenzeug und Betten versetzte und verkaufte er. Dann verließ er, wohl 1709, seine Frau, die hilflos mit ihren kleinen Kindern zurückblieb, nachdem er von der Regierung zu Halberstadt für einen Verschwender erklärt worden, der Syndikus Beyer ihm und dem minderjährigen Albert Christoph Georg zum Kurator bestellt und über sein Vermögen schon 1707 der Konkurs eröffnet war, welcher erst nach seinem Tode beendet wurde. Am 3. Juni 1711 wurde hinter ihm wegen einer Wechselforderung des Amtsmanns Johann Maßmann zu Alten-Platow ein offener Arrest erlassen. Wo Konrad Alverdes sich seitdem aufgehalten hat, ist nicht bekannt. Er hat aber, nachdem er Halberstadt verlassen, seine noch bis zu seinem Tode dauernde zweite Ehe mit Eberhardine Johanne Augustine von Liebe, einem in der Mitte des Nach dem Tod seiner ersten Frau Elisabeth Krümmers ehelichte Heinrich Alverdes im Jahre 1681 in Halberstadt Anna Baggun, *25.4.1656 in Halberstadt, 1727 in Halberstadt, Tochter des Halberstädter Ratsherren Andreas Baggun (bereits der Großvater saß im Stadtrat), die ihren Ehemann schließlich um 27 Jahre überlebte. Sie brachte das Eckhaus an der Einmündung der Harsleber Straße in den Holzmarkt mit in die Ehe, das ihre Großeltern im Jahre 1654 hatten bauen lassen und das als eines der schönsten Fachwerkhäuser Halberstadts galt. Aus dieser zweiten Ehe gingen zehn Kinder hervor: Johann Heinrich Alverdes, ~24.10.1684 in der Martinikirche in Halberstadt, 1702 bis 1706 Studium in Helmstedt, Halle und Leipzig (zunächst Theologie, dann Jura, Abschluß mit einer Disputatio Juridica in Leipzig), Advokat in Halberstadt, ∞ vor 1714 mit Marie Dorothee Drechsler (6.2.1686 - 17.4.1744), 1721 Amtsmajor für die Halberstädter Feldflur, die Vorstädte und benachbarten Dörfer, am 26.4.1727 Hof- und Regierungsrat in Halberstadt, ab 1738 im zweiten Senat, "Die Beiden hatten zwei Töchter, von denen die Erste namentlich nicht bekannt ist. Die Zweite wurde am 3.8.1722 in Quedlinburg auf den Namen Dorothea Sophia getauft. Taufpate war der Dr. Christian Polycarp Leporin. Dieser Quedlinburger Stadtphysikus hatte eine Tochter, die sich so für Medizin interessierte, daß daß sie sich gegen große Widerstände der Professoren als erste Frau die Zulassung zum Medizinstudium erkämpfte. Als sie dann aber auch noch medizinische Würden erstrebte, waren die Halleschen Professoren so empört, daß erst ein Machtspruch Friedrich des zweiten die Zulassung zur Prüfung erzwang. Die Professoren versuchten daraufhin, ihr Vorurteil hinsichtlich des 'angeborenen Schwachsinns des Weibes' retten zu können, indem sie die mündliche Prüfung auf griechisch und lateinisch abhielten. Das Mädchen antwortete ihnen aber in beiden Sprachen so fließend und in fachlicher Hinsicht so vollkommen, daß sie das erste Fräulein Doktor in Deutschland wurde." [Alverdes 1987, S. 57] Als viertes und fünftes Kind folgten Johann Andreas Alverdes, *25.5.1688, "Nach der Heirat lehrte Zinck an der Universität Halle Philosophie, Historie und Wappenkunde. Er wurde noch im gleichen Jahr zum Doktor promoviert und dann zum Fiskal (Staatsanwalt), später zum Kriminalrat im Saalkreis bestellt. 1731 wurde er zum Hofrat in Weimar ernannt, fiel aber dort 1735 beim Herzog in Ungnade und 'mußte in ein sehr unanständiges Gefängnis wandern, da er wenig Licht zu sehen und auch niemand von den Seinigen zu sprechen bekam'. Einer der Vorwürfe war, 'daß er mit seiner Frau nicht corpulieret worden' - in der Tat ist die Trauung weder in Halberstadt noch in Altenroda festzustellen, aber es wird merkwürdigerweise in den verschiedenen Quellen dafür ein festes Datum angegeben. 'Seine Frau und Kinder mußten sich sehr kümmerlich behelfen; es hatte aber eine Tochter [vermutlich aus erster Ehe] das Glück, an dem markgräflich Bareutischen Hofe als Hofjungfer unterzukommen' - und der Markgraf erreichte bei einem Staatsbesuch in Weimar 1738 die Freilassung ihres Vaters. Der schlug sich dann eine Weile als 'Mädgenschulmeister' durch, beriet die Reuß'schen Grafen in Greiz und Eberstein und bekam einen Ruf nach Petersburg. Auf der Reise dorthin bot ihm die Universität Leipzig eine Professur, die er 1740 annahm. Er war der erste Professor für Kameralwissenschaften in Deutschland und wurde so der Begründer der Volkswirtschaftslehre, für die er 1742 ein Lehrbuch verfaßte. 1745 erhielt er einen Ruf an die Universität Helmstedt. Er soll nach 1750 noch zweimal geheiratet haben. Was aus Sophie Juliane Marie geworden ist und ob die beiden nun 'corpulieret' waren, ist noch unbekannt. Ihre Söhne hießen jedenfalls Zinck und kamen im Herzogtum Braunschweig zu Rang und Ehren." [Alverdes 1987, S. 58] Sechstes, siebtes, achtes und neuntes Kind aus Heinrich Alverdes' zweiter Ehe mit Anna Baggun waren Johann Gottlieb Alverdes, *1690, 1695 || Eleonore Dorothea Alverdes, *24.4.1692, 1693 || Anna Justina Alverdes, *16.6.1693, blieb unverheiratet, 7.3.1755 in Halberstadt || Johannes Albertus Alverdes, *20.11.1694, 1754, studierte zunächst in Jena und schrieb sich am 3.3.1716 für drei Jahre an der Universität Halle ein, schloß das Studium jedoch nicht ab, sondern trat als Soldat in das Regiment Fürst Moritz von Anhalt-Dessau Nr. 22 ein, welches sein Standquartier in Stargard in Pommern hatte, ein: "1721 war er Unteroffizier, 1722 Fähnrich, von 1723 ab Leutnant. Nach einem in Abschrift erhaltenen Schreiben des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau vom 30. März 1735 war Johann Albert Alverdes damals nicht mehr beim Regiment, doch muß er wieder eingetreten sein, da er nach eigener Angabe im September 1744 schon 23 Jahre Oberoffizier in diesem Regiment gewesen war. Noch 1741 und 1749 bezeichnet er sich als Leutnant Jean Albert von Alverdes im Anhalt-Dessauischen Regiment. Er wurde als Werbeoffizier beschäftigt und rühmt sich in einem, von Graßhoff trib. et cam advoc. zu Berlin gegengezeichneten Schriftstück vom Jahre 1736, bereits 103 Mann geworben zu haben, davon vier für das erste Glied des Leibregiments. In der That aber muß sein Dienstaustritt aus dem Heere schon vor 1744 erfolgt sein. Denn damals hatte er nach eigener Angabe bereits eine Auskultatorstelle und hiernächst eine 'Kriegsrathsbedienung' in Halberstadt erhalten, jedoch setzte er, da diese Anstellungen mit Gehalt nicht verbunden waren, seine Werbungen fort. Der Beruf eines Werbeoffiziers, dem sich Johann Albert Alverdes gewidmet, läßt von seinem Charakter nicht viel erwarten. Die Mittel, deren sich die Werber für ihre Zwecke bedienten, waren häufig gewissenlos, grausam und aller Humanität Hohn sprechend, namentlich bis 1733, wo allein durch Anwerbung das Heer nur mühsam ergänzt werden konnte. Durch das Kanton-Reglement von dem gedachten Jahre wurde jeder Preuße ohne Unterschied zum Waffendienste verpflichtet mit Ausnahme der Söhne des Adels, der Söhne von Bürgern, welche mindestens ein Vermögen von 6000 Thalern nachweisen konnten, der Predigersöhne, des einzigen Sohnes eines Elternpaares und der zu klein Gewachsenen. Das Werbesystem trat dadurch mehr in den Hintergrund. Johann Albert Alverdes, der auch wohl den Eintritt seines jüngsten Bruders und seines Neffen in das Heer beeinflußt haben wird, scheint nicht verheiratet gewesen zu sein, woran ihn, so lange er Werbeoffizier war, sein Beruf verhinderte." [Küster 1899, Zehntes und letztes Kind von Heinrich Alverdes aus seiner zweiten Ehe mit Anna Baggun war der Sohn Johann Friedrich Gottlieb Alverdes, *15.12.1698 in Halberstadt, 12.9.1750 in Stettin (auf einer aus medizinischen Gründen angetretenen Reise nach Berlin), der zunächst in das in Halberstadt in Garnison liegende preußische Infanterie-Regiment Nr. 21 "Alt Dönhoff" eintrat, jedoch 1723 seinen Abschied nahm und bis 1729 in Halle Jura studierte, später nach Pommern ging, in Belgard an der Persante 1738 zweiter Bürgermeister (consul secundus, Stadtrichter / Justizbürgermeister) wurde und im Jahre 1740 das Belgarder Bürgerrecht erwarb. Er heiratete Elisabeth Neizel (vermutlich aus Belgard), mit der er einen Sohn hatte und wurde so zum Begründer der pommerschen Linie der Familie Alverdes. Nach dem Tod seines Enkels Konrad Georg Alverdes im April 1721 erfolgte durch heftige Streitigkeiten unter den übrigen Nachkommen von Heinrich Alverdes im Verlauf von zwei Prozessen, drei Gesuchen um Auflösung bzw. Teilung des Fideikommisses an König Friedrich Wilhelm, Anrufung des Oberappellationsgerichtes in Berlin, Rechtsgutachten vom Halleschen Schöppenstuhl und der juristischen Fakultät in Wittenberg, einer Zwangsvollstreckung und drei Vergleichen die allmähliche Aufweichung und schließlich durch eine Aufteilung des Vermögens im Jahre 1730 die Auflösung des Fideikommisses: "Beim Tode des Zinsherren gehören zum fideikommissarisch gebundenen Erbe noch mindestens zwei Wassermühlen, die Obermühle vor dem Burcharditor und die Untermühle mit großem Garten vor dem Johannistor. Außerdem sind da noch 9 Hufen Ackerland (67,5 ha), eine Holzung und zwei Wiesen. Schließlich hatte Heinrich noch eigenes, nicht gebundenes Vermögen, darunter zwei Brauhäuser und eine weitere, die Mittelmühle. Nach den Bestimmungen der Stiftung muß das Fideikommißgut ungeteilt an den jeweils ältesten Sohn übergeben werden. [....] Heinrich stirbt 1700. Sein ältester Sohn ist Konrad Georg, der Verschwender. Unter Verletzung der Bestimmungen hat ihm seine Mutter schon 1702 die Obermühle und zwei Hufen Land übertragen. Teile davon hat er verkauft oder belastet. Es gibt deshalb Streit mit seiner Mutter, der durch zwei Vergleiche 1705 und 1707 beigelegt wird. Konrad Georg stirbt 1721. Sein einziger Sohn ist der 1706 geborene Albert Christoph Heinrich, nur hat Konrad seine Vaterschaft stets bestritten. Trotzdem setzt er ihn in einem 1707, also mit 25 Jahren, verfaßten Testament zum Erben ein. 1721 ändert er seinen letzten Willen, erklärt Albert für erbunfähig und benennt seinen Bruder Johann Heinrich als fideikommissarischen Erben. Damit ist hinreichend Zündstoff für heftige Erbstreitigkeiten geschaffen. [....] Schließlich kommt am 8.3.1730 doch noch ein Vergleich zustande, der zwischen den drei Brüdern Johann Heinrich, Johann Albert und Johann Friedrich Gottlieb, deren Neffen Albert Christoph Heinrich und dessen Vormund Beyer abgeschlossen wird. Die beiden anderen Brüder waren inzwischen gestorben, die Schwestern nicht erbberechtigt. Nach diesem Vergleich bekommen der Regierungsrat Johann Heinrich die Obermühle mit den Wiesen und dem Garten, viereinhalbe Hufen Ackerland, drei Wiesen, zwei Holzflecke im Huy und zwei Hufen vor dem Huy, der Leutnant Johann Albert die Untermühle mit 400 Talern Kautionsgeld und eine halbe Ackerhufe, der Unteroffizier Albert Christoph Heinrich erkennt das Nutzungsrecht des Regierungsrates an seinen Ländereien und das Testament seines Vaters von 1721, das ihn ja für erbunwürdig erklärte, unter folgenden Bedingungen an: a.) der Regierungsrat zahlt an den Unteroffizier 150 Taler jährlich und 112 Taler einmalig zur Anschaffung von Kleidern und zur Deckung von Reisekosten und Schulden, b.) der Regierungsrat bezahlt die Schulden des Unteroffiziers beim Syndikus Beyer, c.) der Regierungsrat zahlt an Konrad Georgs Witwe jährlich 15 Taler, während der Unteroffizier seiner Mutter 'aus kindlicher Liebe' jährlich 1 Taler 6 Groschen verspricht, d.) der Jurastudent erhält den lebenslänglichen Nießbrauch an einer Hufe, verkauft dieses Recht aber für 600 Taler an den Regierungsrat. Die Meyer-Dibbesche Studienstiftung und Dr. Konrad Alverdessens Bevorzugung der Juristen als Rechtsnachfolger sind der Familie nicht gut bekommen. Allzu viele Juristen in der Familie sind bei Erbauseinandersetzungen nicht unbedingt nützlich. Auch das Familienvermögen dürfte unter den Streitigkeiten gelitten haben [....]" [Alverdes 1987, S. 61-63] Johann Friedrich Gottlieb Alverdes, *15.12.1698 in Halberstadt, "Nach der Matrikel von 1628 gehörten zum Stadteigenthum die Dörfer Lüllfitz, Rostin, Klempin, Naffin, Panknin und Darkow mit 82 2/3 Hakenhufen, Johann Friedrich Gottlieb heiratete Elisabeth Neizel, vor 1771 (sie stammte vermutlich aus Belgard, wo es noch im 20. Jahrhundert mehr Neizels als Müllers oder Meiers gab), hatte mit ihr offenbar nur ein Kind, den Sohn Johann Friedrich Alverdes (*18.7.1740 in Belgard, 10.11.1807) und wurde so zum Begründer der pommerschen Linie der Familie Alverdes. Johann Friedrich Alverdes, *18.7.1740 in Belgard, 10.11.1807 in Woldisch-Tychow/Krs. Belgard, besuchte die Belgarder Stadtschule, kam 1749 in die Prima und wurde nach dem frühen Tod seines Vaters Johann Friedrich Gottlieb Alverdes mit 10 Jahren Halbwaise. Ende 1754 ging er mit seiner Mutter nach Halberstadt, wo sie Unterstützung bei der Verwandtschaft ihres Mannes fanden, so daß der 15jährige Johann Friedrich 1755 das Waisenhausgymnasium in Halle besuchen, im Jahre 1759 auf die dortige Universität wechseln und Theologie studieren konnte. "Johann Friedrich Alverdes war ein Knabe von zehn Jahren als sein Vater starb, sechzehn Jahre alt, als der für Pommern so verhängnisvolle Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) begann. Die Festung Kolberg hatte in den Jahren 1758, 1760, 1761 drei Belagerungen durch die Russen zu bestehen und das wenig mehr als 30 Kilometer in der Luftlinie entfernt gelegene Belgard mußte notwendig von den kriegerischen Ereignissen berührt werden. Eine Reihe kleinerer und größerer Gefechte wurden um Kolberg herum zwischen den Belagerern und den zum Entsatz gesandten kleinen preußischen Truppenkörpern geschlagen. Die Russen machten außerdem zum Zweck der Versorgung ihrer Vorrathshäuser in Westpreußen planmäßige Raubzüge durch Hinterpommern. Zum ersten Male in den Kriegen Rußlands mit europäischen Mächten traten die, hauptsächlich zum Kundschafterdienst und zur Herbeischaffung von Lebensmitteln bestimmten, mit Kalmücken gemischten Kosacken auf. Weniger muthig als listig und schlau, überfielen sie mit Blitzesschnelle die unbewehrten Städte und Dörfer und führten, entsprechend ihrer asiatischen Abstammung, ihre Aufträge mit solcher Zuchtlosigkeit und Grausamkeit aus, daß die von ihnen angerichteten Verheerungen schließlich selbst auf den Gang des Krieges Einfluß übten. Die ohnehin schwache Bevölkerung Hinterpommerns, die beim Beginn des Krieges nur etwa Nach seinem Studium wurde Johann Friedrich Alverdes Hofmeister (Hauslehrer) bei der Familie von Versen in Burzlaff und von 1762 bis 1764 bei den von Platen in Rarfin/Kreis Belgard, nach seiner Rückkehr nach Belgard im Jahre 1764 Kantor (cantor scholae) und später Rektor an seiner alten Lateinschule, der mehrklassigen Stadtschule von Belgard, damals wohl eine Verbindung aus Lateinschule und deutscher Schreibschule mit einem Rektor und mehreren angestellten Lehrern, wobei der in der Regel wissenschaftlich vorgebildete Kantor sowohl den Musikunterricht an der Schule erteilte und den nicht nur aus Schülern gebildeten Kirchenchor leitete, als auch für den naturwissenschaftlichen Unterricht zuständig war: "Er mußte den Stadtältesten vor seiner Anstellung vorsingen, was sie wenig befriedigte, aber mit einer langen lateinischen Rede konnte er ihnen imponieren. Jedenfalls nahmen sie ihn. Er hatte den lateinischen Katechismus, den römischen Schriftsteller Cornelius Nepo, Grammatik und Bibelkunde zu lehren, mußte Musik- und Schreibunterricht geben. Bei den höheren Klassen kam noch Poesie und Griechisch dazu. Daneben hatte er an den beiden Belgarder Kirchen umschichtig zu singen, und zwar Sonntags dreimal und an vier Wochentagen je einmal. [....] Dafür bekam er ein Jahresgehalt von Johann Friedrich Alverdes heiratete in Belgard Johanna Wilhelmine Luise Krause, nach 1809, älteste Tochter des Brauers und Belgarder Stadtältesten Johann Georg Krause, der aus Königsberg stammte, sich in Belgard zunächst als Sattler niedergelassen und 1752 das Bürgerrecht erworben hatte, und seiner Frau Johanne Luise geb. Molle. Johann Friedrich Alverdes hatte mit Johanna Wilhelmine Luise Krause fünf Kinder: Charlotte Wilhelmine Alverdes, "Joh. Friedr. Heinr. Alverdes aus Belgard in Hinterpommern. Sein Vater war ehemals Lehrer in der Schule zu Belgard, jetzt Prediger zu Woldisch-Tychow, unweit Belgard. Zuerst auf der Belgardischen Schule, hernach genoß er einige Zeit den Privatunterricht des Prof. Sell in Stettin, 3 ½ J. auf dem Gymnasium, will in Halle Theologie studiren, 18 ½ Jahre alt. Seine Fähigkeiten sind mäßig. Fleiß hat er in den letzten Jahren mehr bewiesen wie sonst, auch seine Sitten und Aufführung hat er in den letzten Jahren gebessert. Nach Untersuchung der schriftlichen Probearbeiten und Anhörung der öffentl. Prüfung wurde dem Alverdes das Zeugnis der Reife ertheilt, weil er in der lat. und griech. Sprache und in der Geschichte gute Fortschritte zeigte, auch in der hebräischen Sprache einen guten Anfang gemacht hatte, ob er gleich in der Geographie, Philosophie und Mathematik noch mehr Fleiß anwenden muß." [Küster 1899, Drittes, viertes und fünftes Kind von Johann Friedrich Alverdes waren der Sohn Wilhelm Carl Philipp Alverdes, * 4.12.1775 in Woldisch-Tychow, er ging früh nach Amerika und ist dort verschollen || Michael Gottfried Ludwig Alverdes, *17.6.1780 in Woldisch-Tychow, 28.12.1851 in Köslin, besuchte ab 1795 in Stettin das akademische Gymnasium und ab 1805 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Georg in Halle an der Saale die Universität, erhielt erst auf seine Beschwerde hin in den Jahren 1818/1819 eine verspätete Zuwendung aus der Meyer-Dibbschen-Studienstiftung und konnte vermutlich aus diesem Grunde sein Jurastudium nicht beenden, trat 1813 eine Stelle als "Bureaubeamter erster Klasse" bei der königlichen Regierung in Köslin an, nahm als Offizier an den Freiheitskriegen teil, wurde 1817 "Calculator" und dann Sekretär, ∞ mit Luise Meyer (*1.4.1800, Bereits zu Michaelis im Jahre 1772 war der Vater Johann Friedrich Alverdes als Pfarrer in Woldisch-Tychow/Krs. Belgard eingezogen, wo er bis zu seinem durch Schlagfluß (Schlaganfall) verursachten Tode am 10.11.1807 wirkte: "Es ist dies ein etwa elf Kilometer südlich von Belgard, halbwegs zwischen dieser Stadt und Polzin an der Persante, damals dem Hauptmann Joachim Rüdiger von Kleist gehöriges, gelegenes Gut mit dreizehn Feuerstellen, worin der Pfarrer, der Küster, der Pfarrcolonus, vier Bauern, ein Kossäth und ein Krüger wohnten. Zu dem Gute gehörte Eichen- und Kiefernwald, auch die Fischerei in der Persante. Die unter dem Patronate der Güter Woldisch-Tychow, Ballenberg, Bolkow und Bergen stehende Kirche war der Synode Belgard zugetheilt. Tochterkirche war die etwa 5 - 6 Kilometer entfernte Kirche zu Vitzow, bei der die Dörfer Bolkow, Bergen, Ballenberg, Lankow, Wutzow und das Ackerwerk Lazenz eingepfarrt waren. Das war der amtliche Wirkungskreis des Johann Friedrich Alverdes. Dort hat er in ländlicher Abgeschiedenheit, in dem bescheidenen Pfarrhause unter Rohrdach, Freuden und Trübsal erlebt, bei kargem Einkommen seine Kinder erzogen und dort ist er verstorben. [....] Die Witwe des Verstorbenen hat nach der Pfarrchronik von Woldisch-Tychow 'als Folge des Krieges mit Frankreich' dort zwei Gnadenjahre gehabt. Als im November 1809 ein neuer Pfarrer anzog, verließ sie den Ort und hat sich wahrscheinlich in ihre Heimathstadt Belgard begeben, wo sie allem Vermuthen nach nicht lange nach ihrer Übersiedelung gestorben ist, das Kirchenbuch von Belgard giebt darüber keine Auskunft." [Küster 1899, Michael Gottfried Ludwig Alverdes, 17.6.1780 in Woldisch-Tychow, "Köslin ist als deutsche Stadt an Stelle des am Gollenberg gelegenen wendischen Dorfes Kossasitz mit einhundert Ackerhufen und zehn Hufen im Buchwalde - 'in silva quae Bucwaldt vocatur' - im Jahre 1266 durch Bischof Hermann von Kammin gegründet. Im Jahre 1286 war es noch mit Planken eingehegt, doch bereits 1310 durch Mauern, Mauerthürme und drei feste Thore nach deutscher Art geschützt. 1556 fürstbischöflicher Wohnsitz, war es in den Jahren 1574 - 1622 Residenz der pommerschen Herzöge. Die Stadt hat wiederholt durch die Pest, Feuersbrünste und Kriegsdrangsale, namentlich im dreißigjährigen und im siebenjährigen Kriege schwer gelitten. In den Jahren 1639/1640 zählte man 200 eingefallene Häuser und wüste Stellen. 1718 brannte die Stadt fast ganz ab. Es wurden 297 Häuser, sowie das von Herzog Johann Friedrich von Pommern an Stelle des 1278 gegründeten Cisterzienser Nonnenklosters erbaute Schloß nebst Schloßkirche und Rathaus in Asche gelegt. König Friedrich Wilhelm I. gewährte bedeutende Mittel für die Wiederherstellung der Stadt, gründete auch das dortige Hofgericht für die alten Kreise des Kösliner Regierungsbezirks. 1747 wurde in Köslin ein Consistorium und ein Pupillenkollegium eingerichtet und im Jahre 1816 wurde der Ort, dessen mittelalterliche Befestigung seit dem Brande von 1718 allmälig niedergelegt worden, der Sitz der Regierung des Kösliner Regierungsbezirks. Ein Gymnasium wurde dort 1821 gegründet. Die Stadt hatte im Jahr 1791 3070, 1812 3802, 1831 6541 und 1890 17,838 Einwohner. Bürgermeister derselben war in den Jahren 1816 - 1857 der mit Georg Wilhelm Alverdes befreundete E. A. Braun." [Küster 1899, Michael Gottfried Ludwig Alverdes und Luise Meyer waren die Eltern meines Urgroßvaters Franz Heinrich Ferdinand Alverdes, *30.6.1830 in Köslin,
"[....] Er kam dann als Zahlmeister-Aspirant nach 'Deutsch-Südwest' und nahm an einem der grausamsten Vernichtungsfeldzüge der kurzen deutschen Kolonialgeschichte teil. Er veröffentlichte darüber 1906 'mein Tagebuch aus Südwest', das man heute in der bayerischen Staatsbibliothek in München ausleihen kann. Er widmete es 'dem deutschen Volke und seinen in Südwestafrika gefallenen tapferen Söhnen'. Selber in der Etappe, schildert er den Feldzug sehr lebendig und anschaulich, man liest das Buch durchaus mit Vergnügen. Etwas schwer tut sich unsereiner mit dem Hurrah-Patriotismus, aber wir späteren wissen ja, was daraus entstand. Und, ob wir wirklich klüger geworden sind, steht noch sehr dahin. Die 'tapferen Söhne' trieben die hoffnungslos unterlegenen Hottentotten in die Wüste, wo das Volk bis auf winzige Überreste zugrunde ging. Hermann stellt auf Seite 264 mit leichter Empörung fest, 'alle Eingeborenen hassen uns Deutsche von Grund ihrer Seele als fremde Eindringlinge', aber das waren sie ja schließlich auch! [bei diesem Zitat handelt es sich jedoch nicht um eine Äußerung des Verfassers Hermann Alverdes selbst, sondern um eine Passage aus einem längeren Artikel der Swakopmunder Zeitung, den er als Ergänzung dem letzten Kapitel seines Buches hinzugefügt hat] Und auf Hermann Alverdes heiratete am Weitere Kinder meines Urgroßvaters Franz Heinrich Ferdinand Alverdes, und seiner zweiten Frau Ottilie Wietzke waren Franz [Frank] Alverdes, *15.1.1873 in Lauenburg, Buchbinder in |
||||||||||||||
Eleonore Gürge geb. Maaß |
||||||||||||||
|
||||||||||||||
| Alle Angaben zu den frühen Vorfahren der Familie Alverdes
und den pommerschen Ahnen meines Großvaters Johannes Alverdes sind
den folgenden Büchern entnommen: Dr. Günther Alverdes: Neue Nachrichten von der Familie Alverdes bis zum Jahre 1987. Selbstverlag, Rheinbach 1987. August Küster: Nachrichten über die Familie Alverdes bis zum Jahre 1899. Als Handschrift gedruckt. Druck von Herrcke & Lebeling, Stettin 1899. Dr. Günther Alverdes (*1928), Sohn von Wilhelm Alverdes, Inhaber einer großen Gärtnerei in Frankenhausen in Thüringen, plante als Nachkomme der thüringisch-sächsischen Linie der Familie Alverdes ursprünglich lediglich eine Fortsetzung der Genealogie August Küsters bis in die Gegenwart, ergänzte dessen Nachforschungen dann jedoch noch um die Ergebnisse seiner eigenen, umfangreichen Recherchen. August Küster (1822-1906), Landgerichtsrat a. D. aus Stettin, seit 1884 im Vorstand der pommerschen Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde, war mit Anna Marie Henriette Alverdes (*11.2.1824 in Köslin, 10.3.1889 in Stettin) verheiratet, der Tochter von Georg Wilhelm Alverdes (*14.4.1786, 11.11.1834), einem Bruder meines Ur-Urgroßvater Michael Gottfried Ludwig Alverdes (*17.6.1780, 28.12.1851). Dieser widmete er seine Nachrichten über die Familie Alverdes: "Dem Andenken seiner geliebten, unvergeßlichen Frau Marie geb. Alverdes geb. zu Köslin am 11. Februar 1824, gest. zu Stettin am 10. März 1889 in innigster Dankbarkeit und Verehrung gewidmet vom Verfasser." [Küster 1899] |
||||||||||||||
|
||||||||||||||
|
||||||||||||||